Master Komparatistik

Bewerbungsschluss

• 15. Mai (für den Beginn im Wintersemester)

• 15. November (für den Beginn im Sommersemester)

 

Studiengangskonzept 

Komparatistik – Literaturwissenschaft in der globalisierten Welt

Das Zeitalter der Globalisierung hat nicht nur in Wirtschaft und Politik, sondern auch auf dem Feld der Kultur zu einer immer stärkeren Vernetzung geführt. Unter den Literaturwissenschaften ist es vor allem die Komparatistik, die diesem Umstand Rechnung trägt. Ihr großes Thema ist die Internationalität der Literatur, die sich in der Beschränkung auf einzelne ,Nationalliteraturen‘ gar nicht fassen lässt. Sie verknüpft nicht nur die Arbeitsfelder verschiedener Einzelphilologien, sondern berührt sich auch mit den Fragestellungen der Kultur- und der Medienwissenschaften. Ihr methodisches Prinzip ist die Interdisziplinarität.

Während sich die Einzelphilologien bei ihren Untersuchungen traditionell auf die Literatur jeweils eines Sprachraums beschränken, ist Gegenstand der Komparatistik alles, was literarische Texte unabhängig von ihrer Zugehörigkeit zu verschiedenen Sprachen verbindet. Dies können Beziehungen sein, die auf historischen Kontakten zwischen den Literaturen beruhen, aber auch typologische Gemeinsamkeiten, die verschiedene Literaturen unabhängig von konkreten Berührungen miteinander verbinden. Neben der eher historisch arbeitenden Vergleichenden Literaturwissenschaft bildet die systematisch-theoretisch verfahrende Allgemeine Literaturwissenschaft das zweite große Arbeitsfeld der Komparatistik.

 

Komparatistik in Mainz

Zum Gegenstandsbereich des Mainzer Master-Studiengangs Komparatistik gehört idealiter die Weltliteratur. Besondere Akzentsetzungen liegen dabei im Bereich der west-, mittel- und südeuropäischen Literaturen sowie der Literaturen Nord- und Südamerikas vom 18. bis ins 21. Jahrhundert mit einem Kernbereich, der von der Romantik bis zur Gegenwartsliteratur reicht.

Der Studiengang gewinnt sein unverwechselbares Profil durch die Schwerpunktsetzung in den aktuellen Forschungsfeldern Intertextualität, Interkulturalität, Intermedialität sowie im Be-reich der Literaturtheorie. Er erfasst das gesamte Spektrum innerliterarischer Beziehungen, die interkulturelle Dimension von Literatur sowie die Beziehungen der Literatur zu anderen Medien und Künsten. Durchgängige literaturtheoretische Akzente erlauben die Integration dieser Bereiche zu einem schlüssigen Gesamtkonzept.

 

Schwerpunkt Intertextualität

Die Auseinandersetzung mit ,Intertextualität‘ lenkt die Aufmerksamkeit auf die vielfältigen Verknüpfungen zwischen literarischen Texten. Dabei werden zum einen konkrete Sinnerweiterungen eines Textes durch dessen Bezugnahme auf andere Texte erschlossen, zum anderen Formen der intertextuellen Bezugnahme (Zitat, Anspielung, Parodie, Pastiche usw.) systemtisch erfasst. Zugleich nötigt die intertextuelle Betrachtung zu einer Reflexion auf Kategorien wie Autorschaft, Originalität oder literarische Anleihe, die Anschluss an aktuelle Theoriedebatten erlauben. Indem der Fokus auf Intertextualität die historische Tiefendimension von Texten freilegt, erfasst er nicht zuletzt die Bedeutung literarischer Werke für das kulturelle Gedächtnis und ermöglicht eine kritische Reflexion zur Kanonbildung.

 

Schwerpunkt Interkulturalität

Der ,interkulturelle‘ Aspekt von Literatur beleuchtet Fragen von kultureller Identität/Alterität, der Darstellung des Fremden, der Hybridisierung von Kulturen und der Migration als literarische wie auch kulturell-gesellschaftliche Phänomene. Interkulturelle Begegnungen und transkulturelle Verflechtungen stellen dabei wichtige Gesichtspunkte dar. Gerade vor dem Hintergrund des Globalisierungsprozesses verdient dieser Aspekt erhöhte Aufmerksamkeit. Durch weltweite Migrationsströme und einen intensivierten Austausch zwischen den Kontinenten ist die Differenz zwischen dem kulturell Eigenen und Fremden seit längerem in Bewegung geraten. Ein Ort kritischer Reflexion auf diese Entwicklung ist die Literatur.

 

Schwerpunkt Intermedialität

Literatur steht in enger Beziehung und Bezugnahme, aber auch in Konkurrenz zu anderen Künsten und Medien: Der Schwerpunkt ,Intermedialität‘ trägt diesem Umstand Rechnung. In der Vergangenheit hat die Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft unter dem Titel der Interarts Studies der Beziehung der Literatur zu Künsten wie Malerei, Musik, Bildhauerei eine besondere Aufmerksamkeit gewidmet. Heute gilt das Interesse der Komparatistik verstärkt auch den neuen Medien. Untersucht werden u. a. das Verhältnis von Literatur und Film, die Zusammenhänge zwischen sprachlich verfasster Weltsicht und Bildlichkeit oder die Veränderung von Inhalten beim Wechsel von einem Medium in ein anderes. Es geht dabei um die Einsicht in die kulturgeschichtlich sich wandelnde Stellung der Literatur im Kontext der Künste und Medien und die grundsätzliche Medialität kultureller Prozesse. Beschrieben werden sich wandelnde Wirklichkeitskonstruktionen durch Medien, Phänomene medialer Selbstreferentialität sowie Bezüge der Medien untereinander.

 

Schwerpunkt Literaturtheorie

Literaturtheoretische Fragestellungen bilden in Mainz den konzeptionellen Rahmen für die Behandlung von Themen aus dem Bereich der zuvor genannten Schwerpunkte. Das Spektrum reicht von allgemeiner Ästhetik und Poetik über Gattungstheorie bis zur Übersetzungstheorie und zur Methodologie. Der spezifischen Bedeutung von Poetizität (Jakobson) und Literarität (Genette), die sich in Mehrdeutigkeit und Bedeutungsoffenheit äußern kann, wird im Vergleich zu anderen ästhetischen und nicht-ästhetischen Phänomenen von Kultur und Lebenswelt besondere Aufmerksamkeit gewidmet. Die kritische Reflexion auf den Status einzelner Theorien und der souveräne Umgang mit diesen stehen im Vordergrund.

 

Studienvoraussetzungen

Voraussetzung für das Studium ist der Nachweis eines Bachelorabschlusses oder eines gleichwertigen Studienabschlusses an einer Hochschule in Deutschland oder im Ausland, und zwar entweder des Abschlusses des Mainzer Bachelorstudiengangs Komparatistik/ Europäische Literatur im Kern- oder Beifach, des Bachelorabschlusses einer anderen Universität in Allgemeiner und Vergleichender Literaturwissenschaft (Komparatistik), eines Bachelorabschlusses mit einer Fremdsprachenphilologie als Kernfach, eines Bachelorabschlusses in zwei Einzelphilologien zu Literaturen unterschiedlicher Sprache.

Studienvoraussetzung ist ferner neben der Beherrschung der deutschen Sprache die Lektürefähigkeit in Englisch und einer Sprache aus dem Kreis der romanischen, slavischen oder skandinavischen Sprachen; andere Literatursprachen können im Einzelfall zugelassen werden. Sofern nicht anderweitig nachgewiesen (z.B. durch den zuvor absolvierten Bachelorstudiengang), wird diese Lektürefähigkeit im ersten Fachsemester in zwei Übersetzungsklausuren überprüft. Kann der Nachweis der Lektürefähigkeit nicht geführt werden, ist er innerhalb von sechs Wochen nachzuholen, andernfalls ist eine Zulassung zu den Veranstaltungen des zweiten Fachsemesters nicht möglich. 

 

Studieninhalte und Studienverlauf

Alle Studieninhalte des Mainzer Master-Studiengangs Komparatistik sind grundsätzlich modular organisiert. Die Module bestehen aus thematisch aufeinander bezogenen Lehrveranstaltungen und erstrecken sich über einen Zeitraum von jeweils ein bis zwei Semestern.

Der Master-Studiengang Komparatistik ist als konsekutiver Studiengang angelegt und umfasst 44 SWS. Er vermittelt in jeweils speziellen Modulen vertiefte Kenntnisse in den zentralen Forschungsbereichen der Mainzer Komparatistik: Intertextualität, Interkulturalität, Intermedialität und Literaturtheorie. Zwei zusammen mit dem Mainzer Studium Generale erarbeitete Module (Interdisziplinarität I und II) zielen zudem darauf, die für komparatistisches Arbeiten erforderlichen interdisziplinären Kompetenzen besonders zu fördern und Interdisziplinarität als zentrales methodisches Prinzip der Allgemeinen und Vergleichenden Literaturwissenschaft eigens zu reflektieren. Sie stellen einen integralen Bestandteil des Studiengangs dar. Ein Vertiefungsmodul soll dem Wunsch vieler Studierender nach freier Veranstaltungswahl und Flexibilisierung des Stundenplans entgegenkommen und zugleich der individuellen Schwerpunktsetzung dienen. Gewählt werden können Veranstaltungen aus den Bereichen Intertextualität, Interkulturalität, Intermedialität und Literaturtheorie sowie Veranstaltungen aus benachbarten Disziplinen, wobei im Sinne der Schwerpunktbildung empfohlen wird, Veranstaltungen aus zwei Bereichen zu wählen. Ein Abschlussmodul dient wesentlich dazu, die Studierenden bei der Konzeption und Durchführung der M.A.-Arbeit unterstützend zu begleiten.

Der Studiengang umfasst so die Module 1: Intertextualität, 2: Interkulturalität, 3: Intermedialität, 4: Literaturtheorie, 5.a und 5.b: Interdisziplinarität I/II, 6: Vertiefungsmodul, 7: Abschlussmodul. Ziel ist es, die Studierenden zu einer eigenständigen und kreativen Auseinandersetzung mit aktuellen Positionen und Diskussionen komparatistischer Forschung anzuleiten und ihnen eine persönliche Schwerpunktbildung zu ermöglichen. Die selbstständige Auseinandersetzung mit einem ausgewählten Forschungsschwerpunkt der Allgemeinen und Vergleichenden Literaturwissenschaft findet ihren Niederschlag in der den Studiengang abschließenden M.A.-Arbeit. Gegenstand der Abschlussprüfung sind der Inhalt der Masterarbeit sowie Frage- und Aufgabenstellungen im Kontext des für die Masterarbeit gewählten Themas sowie eines weiteren geeigneten Moduls.

 

Internationale Ausrichtung und Integration von Auslandsaufenthalten

Auslandsaufenthalte – zum Zweck eines Auslandssemesters oder eines Auslandspraktikums – sind im Rahmen eines Komparatistik-Studiums unbedingt zu empfehlen. Das gilt insbesondere für diejenigen Studierenden, die im Rahmen ihres Bachelor-Studiengangs noch keinen Aufenthalt im Ausland absolviert haben. Auslandsaufenthalte können an verschiedenen Stellen des Studiengangs integriert werden.

Für ein Auslandssemester innerhalb des regulären, im Wintersemester beginnenden Studien-gangs empfiehlt sich das 3. Fachsemester. Im Ausland erbrachte Prüfungsleistungen können im Rahmen der geltenden Anerkennungsbestimmungen anerkannt werden. Sollten im Ausland keine Prüfungsleistungen abgelegt werden können, die mit den im Mainzer Studiengang geforderten äquivalent sind, können die für das 3. Fachsemester vorgesehenen Modulprüfungen der Module 3 und 4 zum Zweck des Auslandssemesters vom 3. auf das 2. Semester vorgezogen werden. Wird das Studium zum Sommersemester begonnen, empfiehlt sich das 2. Fachsemester für ein Auslandssemester. Sollten auch in diesem Fall im Ausland keine Prüfungsleistungen abgelegt werden können, die mit den im Mainzer Studiengang geforderten äquivalent sind, können die für das 2. Fachsemester vorgesehenen Modulprüfungen der Module 3 und 4 zum Zweck des Auslandssemesters vom 2. auf das 1. Semester vorgezogen werden. Hinsichtlich der Anerkennungsmöglichkeiten im Ausland erbrachter Prüfungsleistungen ist rechtzeitig mit der Studienfachberatung Rücksprache zu halten.

Endet der vorhergehende Bachelor-Studiengang im Wintersemester, kann ein Auslandsaufenthalt (vorzugsweise für ein Auslandspraktikum) auch in die Zeit des anschließenden Sommersemesters gelegt werden. In diesem Fall schreiben sich die Studierenden zum Sommersemester in den Master-Studiengang ein und lassen sich zum Zweck des Auslandsaufenthalts für das 1. Fachsemester beurlauben.

Die Zusammenarbeit mit anderen Universitäten und Instituten, besonders im Ausland, ist für ein interdisziplinär und international angelegtes Fach wie die Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft eine Selbstverständlichkeit.

Zur Zeit bestehen Kontakte/institutionalisierte Kooperationen mit:

• der französischen Université de Bourgogne Dijon

• der niederländischen Rijksuniversiteit Groningen

• eine Kooperation mit dem Queen Mary College der University of London

• der Universität Barcelona

• der Universität Lexington (Kentucky/USA)

• Ferner gibt es eine Reihe von projektbezogenen Kooperationen mit amerikanischen und israelischen Universitäten.

Diese Kooperationen erlauben selbstverständlich nicht nur die Vermittlung von Studierenden an die betreffenden Universitäten, sondern zugleich auch Lehraufenthalte von ausländischen Wissenschaftlern in Mainz und von Mainzer Lehrenden im Ausland. Die Kontakte sollen in Zukunft weiter intensiviert werden, um die Bandbreite der Möglichkeiten für die befruchtende Zusammenarbeit mit ausländischen Kollegen und Kolleginnen und für horizonterweiternde Auslandsaufenthalte der Studierenden zu vergrößern.

 

Komparatistische Schlüsselkompetenzen und Berufsfeldorientierung Der Master-Studiengang Komparatistik zielt im Unterschied zu den eher grundlegenden Bachelor-Studiengängen insbesondere auf die Ausbildung weiterer wissenschaftlicher Qualifikationen. Er befähigt insbesondere zur selbstständigen Durchdringung komplexer wissenschaftlicher Gegenstände, zur kritischen Bewertung vorliegender Forschungsbeiträge und nicht zuletzt zur Entwicklung eigener komparatistischer Fragestellungen. Der Master-Abschluss bildet zugleich die Voraussetzung für eine Promotion und die Aufnahme einer wissenschaftlichen Karriere.

Für die späteren beruflichen Möglichkeiten der Studierenden ist wichtig, dass der Studien-gang neben den wissenschaftlichen Qualifikationen im engeren Sinn allerdings auch eine Reihe von Schlüsselqualifikationen vermittelt, die nicht allein für literaturwissenschaftliche, sondern auch für zahlreiche andere Tätigkeiten bedeutsam sind. Hierzu gehören

• interdisziplinäres Arbeiten

• das Vermögen der präzisen Analyse und Interpretation von künstlerischen und wissenschaftlichen Texten in mindestens drei Sprachen

• die Fähigkeit, sich frei und sicher im komplizierten Feld der intermedialen und inter-kulturellen Diskurse zu bewegen

• die Kompetenz, komplexe Sachverhalte präzise und konzise darzustellen und zu präsentieren

• die Kunst, Verbindendes zu erkennen, wo andere nur Trennendes sehen

• die Fähigkeit, flexibel auf kulturelle Veränderungen zu reagieren

• die Sensibilisierung für das kulturell Fremde und Andere

• die Einsicht in die spezifische Leistungsfähigkeit verschiedener Medien

 Wie die anderen nicht lehramtsbezogenen Studiengänge in den Geistes- und Kulturwissenschaften bildet der Master-Studiengang Komparatistik Studierende nicht auf ein bestimmtes Berufsziel hin aus. Der Studiengang vermittelt jedoch mit den dargestellten Schlüsselqualifikationen sowie den interkulturellen und intermedialen Kompetenzen Kenntnisse und Fähigkeiten, die die Absolventinnen und Absolventen zu bevorzugten Kandidaten für vielfältige Positionen machen. Es eröffnen sich ihnen Möglichkeiten z.B.

• in Verlagen (etwa als Lektor)

• bei Zeitungen (z.B. im Feuilleton)

• beim Rundfunk oder Fernsehen (z.B. bei Kulturmagazinen)

• bei Online-Plattformen (z.B. als Redakteur)

• im Theater (z.B. in der Dramaturgie oder auch Regie)

• bei kulturellen Institutionen des In- und Auslands (z.B. in Presse- und Programmabtei-lungen)

• im Bereich von Forschung und Lehre an der Universität

• in wissenschaftsfördernden Einrichtungen (staatliche und private Institute/ Stiftungen)

• in der Wissenschaftsverwaltung

• in Archiven

• bei Akademien

• in der Politikberatung (Kultur- und Bildungspolitik, auf Landes-, Bundes- und europä-ischer Ebene)

• in Unternehmen (Abteilungen für Diversity)

• für freiberufliche Tätigkeiten (z.B. im Bereich der Publizistik, des Lektorats oder der literarischen Übersetzung)

Der Medienstandort Mainz sowie die an Verlagen, Theatern, Zeitungen, Sendeanstalten reiche Rhein-Main-Region bietet für den Übergang in die Berufswelt ideale Voraussetzungen. Ein studienbegleitendes Praktikum wird allen Studierenden des Studiengangs empfohlen.