Vorlesungen

Hinweis: Die Zugehörigkeit der Lehrveranstaltungen zu den einzelnen Modulen des B.A.-Studiengangs Komparatistik/Europäische Literatur, des M.A.-Studiengangs Komparatistik und des M.A.-Studiengangs Weltliteratur ist durch Kurztitel der Module nach den Lehrveranstaltungstitel angegeben.

 

V Einführung in die Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft (BA Modul Einführung)       

S. Seiler

2-std., Mo, 12 – 14 Uhr, P 3

Beginn: 15. Oktober 2018   

Im Hinblick auf eine theoretische und methodologische Fundierung des Studiums der europäischen Literatur möchte die Vorlesung mit den zentralen Konzepten und Fragestellungen der Allgemeinen und Vergleichenden Literaturwissenschaft (AVL) bekannt machen. Sie begleitet und ergänzt das gleichnamige Einführungsproseminar. Neben einigen der auch dort behandelten Themen sind Gegenstand vor allem grundlegende Konzepte von Literatur, Probleme der literarischen Kanonbildung („Weltliteratur“), Fragen des literarischen Austauschs zwischen Sprachräumen und Kulturen (Intertextualität, Interkulturalität). Auch auf die Geschichte der AVL soll ein Blick geworfen werden.

 

V Lyrik der Gegenwart (BA Modul Internationalität)

D. Lamping

2-std., Di , 12 – 14 Uhr, P 2

Beginn: 16. Oktober 2018

Die Vorlesung beschließt den Zyklus zur Geschichte der Lyrik mit einem Überblick über die – in einem weiteren Sinn verstandene – Gegenwart. Im Mittelpunkt stehen Gedichte von Eugenio Montale, Czesław Miłosz, Wisława Szymborska, Sylvia Plath, Joseph Brodsky, Allen Ginsberg, Lars Gustafsson, Hans Magnus Enzensberger, Peter Rühmkorf und Günter Grass.

 

V Das europäische Drama der Aufklärung (MA Modul Intertextualität, Komparatistik und Weltliteratur)

F. Zipfel

2-std., Do, 12 – 14 Uhr, P 4

Beginn: 18. Oktober 2018

Zwei Strömungen prägen das kulturelle und literarische Leben des 18. Jahrhunderts: der Rationalismus und die Empfindsamkeit. Unter den Schlagworten „Vernunft“ vs. „Gefühl“ werden beide Strömungen einander entgegengesetzt, aber sie ergänzen und befruchten sich auch gegenseitig. Das 18. Jahrhundert wird so literaturhistorisch zu einer Zeit des Umbruchs; das gilt auch und im Besonderen für die Gattung des Dramas. Zum einen gibt es vielfältige Versuche die Komödie zu literarisieren, d.h. sie durch Veränderung von Form, Inhalt und Funktion dem Bereich der niederen Volksbelustigung zu entziehen und in die Hochkultur zu integrieren. Zum anderen wird die Ständeklausel der Tragödie aufgelöst, so dass es möglich wird, tragische Konflikte in einem bürgerlichen Kontext anzusiedeln; damit geht auch eine Veränderung des Tragischen einher. Zudem wird die Kombination komischer und tragischer Elemente im Drama neu diskutiert und aktualisiert. Gegenstand der Vorlesung sind vor allem die vielfältigen intertextuellen Beziehungen zwischen den europäischen Literaturen, die sich in dieser Umbruchsphase manifestieren bzw. diese bestimmen. Behandelt werden u.a. Werke folgender Autoren: G. Lillo, P. C. d. Marivaux, D. Diderot, C. Gozzi, C. Goldoni, G. E. Lessing, J. M. R. Lenz, R. B. Sheridan, P. A. C. d. Beaumarchais.

 

V Literarischer Exotismus (MA Modul Interkulturalität)

W. Eckel

2-std., Do, 14 – 16 Uhr, HS 13

Beginn: 18. Oktober 2018 

Der europäische Kolonialismus wird seit seinen Anfängen begleitet durch exotisierende Beschreibungen der außereuropäischen Fremde, die Fakt und Fiktion auf eigentümliche Weise mischen. Der Exotismus glaubt, in der Fremde zu finden, was in Europa fehlt, und entdeckt die kulturelle Alterität als ästhetischen "Reiz" (Segalen). Vor dem Hintergrund der vor allem von Rousseau initiierten Kulturkritik können z.B. Vorstellungen eines 'einfacheren', 'sinnlicheren', 'ursprünglicheren' Lebens fernab der Alten Welt, wie sie etwa im Idealbild des 'edlen Wilden' fassbar sind, als Antwort auf die durch den Zivilisationsprozess bedingten Entfremdungserfahrungen erscheinen. Doch geht die Faszination durch das Fremde oft auch mit Schreckbildern (z.B. des 'Kannibalen') zusammen, durch die sich das europäische Bewusstsein seiner eigenen Überlegenheit versichert. Insbesondere das 19. und frühe 20. Jahrhundert sind reich an exotistischen Darstellungen der Südsee, Afrikas, Asiens oder der Neuen Welt. Vor dem Hintergrund der postkolonialistischen Theoriedebatten der letzten Jahrzehnte möchte die Vorlesung Schlüsseltexte des literarischen Exotismus vorstellen und kritisch analysieren. Was ist der Beitrag der Literatur zur Exotisierung der Fremde? Mit welchen positiven oder negativen Topoi und Darstellungsmustern operiert sie dabei? Erfolgen die literarischen Konstruktionen des Fremden gleichsam naiv, oder werden sie in ihrem Konstruiertsein reflektiert und damit dekonstruiert? In welchem Verhältnis stehen realgeschichtlicher Kolonialismus und Exotismus der Literatur? Ist der Exotismus in einer zunehmend hybrider sich gestaltenden postkolonialistischen Weltkultur heute an sein Ende gelangt?

Literatur zu Einführung: Hans Christoph Buch, Die Nähe und die Ferne. Bausteine zu einer Poetik des kolonialen Blicks, Frankfurt a.M. 1991; Jennifer Anna Gosetti-Ferencei, Exotic Spaces in German Modernism, Oxford 2011; Thomas Koebner/ Gerhart Pickerodt (Hg.), Die andere Welt. Studien zum Exotismus, Frankfurt a.M. 1987; Michael Mayer, "Tropen gibt es nicht". Dekonstruktionen des Exotismus, Bielefeld 2010; Wolfgang Reif, Zivilisationsflucht und literarische Wunschträume. Der exotistische Roman im ersten Viertel des 20. Jahrhunderts, Stuttgart 1975; Victor Segalen, Die Ästhetik des Diversen. Versuch über den Exotismus, Frankfurt a.M. 1994; Volker Zenk, Innere Forschungsreisen. Literarischer Exotismus in Deutschland zu Beginn des 20. Jahrhunderts, Oldenburg 2003.