Proseminare und Seminare

Hinweis: Die Zugehörigkeit der Lehrveranstaltungen zu den einzelnen Modulen des B.A.-Studiengangs Komparatistik/Europäische Literatur, des M.A.-Studiengangs Komparatistik und des M.A.-Studiengangs Weltliteratur ist durch Kurztitel der Module nach den Lehrveranstaltungstitel angegeben.

PROSEMINARE

 

PrS Einführung in die Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft (BA Modul Einführung)

M. Kopf

2-std., Mi, 16 – 18 Uhr, P 203

Beginn: 16. Oktober 2018

N. Blum-Barth

2-std., Fr, 10 – 12 Uhr, P 203

Beginn: 19. Oktober 2018

Die Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft bildet die theoretische und methodologische Grundlage für das Studium der europäischen Literatur. Das Seminar bietet eine Einführung in die für dieses Studium grundlegenden Fragestellungen und Themengebiete. Hierzu gehören u.a. Grundlagen der Textanalyse und des Vergleichs, die Unterscheidung literarischer Gattungen, die Erforschung der Beziehungen zwischen Texten (Intertextualität) sowie Übersetzungsvergleich und Übersetzungstheorie. In diesen Untersuchungsgebieten werden anhand der Lektüre und Untersuchung ausgewählter Textbeispiele aus der europäischen Literatur Grundkenntnisse vermittelt, die im Laufe des Studiums vertieft werden.

 

PrS Einführung in literaturwissenschaftliches Arbeiten (BA Modul Einführung)

C. Berg

4-std. Blockseminar, Do, 8:30 – 12 Uhr, SB II 03-134

Beginn: 18. Oktober, Ende: 13. Dezember 2018 

J. Heß

2-std., Mi, 16 – 18 Uhr, P 203

Beginn: 17. Oktober 2018

Im Seminar werden grundlegende Kenntnisse zum „Handwerkszeug“ der Literaturwissenschaft vermittelt. Hierzu gehören: Aufbau und Funktion unterschiedlicher Editionen von literarischen Texten, Umgang mit Nachschlagewerken und Handbüchern, Auffinden (Bibliographieren) und Verwenden (Zitieren) von wissenschaftlicher Literatur zu einem Thema, Einführung in wissenschaftliche und literarische Zeitschriften, Einführung in die schriftliche (Hausarbeit) und mündliche (Referat) Präsentation der Ergebnisse literaturwissenschaftlicher Untersuchungen. Die gesamten Themenbereiche werden am Beispiel klassischer Texte der europäischen Literatur erarbeitet und konkretisiert.

 

PrS Grundbegriffe der Textanalyse (BA Modul Grundbegriffe)

M. Slavtscheva

2-std., Mo, 16 – 18 Uhr, P 108

Beginn: 15. Oktober 2018

N. Blum-Barth

2-std., Do, 10 – 12 Uhr, SB II 03-144

Beginn: 18. Oktober 2018

Die Grundlage jeder wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit Literatur ist die Analyse literarischer Texte. Unterschiedliche Gattungen erfordern dabei spezifische, auf die jeweilige Textsorte abgestimmte Instrumentarien. In der Literaturwissenschaft wurden für die drei Großgattungen Lyrik, Drama, Erzählen jeweils eigene Analyse- und Beschreibungskategorien entwickelt. Im Seminar wird ein Überblick über die unterschiedlichen Beschreibungskategorien für die Analyse von lyrischen, dramatischen und erzählenden Texten in vergleichender Perspektive am Beispiel klassischer Texte der europäischen Literatur erarbeitet.

 

PrS Literaturwissenschaftliche Modelle und Methoden (BA Modul Grundbegriffe)

M. Slavtscheva

2-std., Di, 16 – 18 Uhr, SB II 04-432

Beginn: 16. Oktober 2018

S. Seiler

2-std., Fr, 12 – 14 Uhr, P 108

Beginn: 19. Oktober 2018

Literarische Texte können nach verschiedenen theoretischen Vorgaben und Methoden interpretiert und eingeordnet werden. Diese literaturwissenschaftlichen Methoden und ihr theoretischer Hintergrund (bspw. Hermeneutik, Rezeptionsästhetik, Formalismus, Psychoanalyse, Strukturalismus, Poststrukturalismus, Marxismus, Gender Studies, usw.) sollen im Seminar eingehend behandelt, erprobt und diskutiert werden. Dies geschieht anhand ausgewählter literarischer Beispieltexte, die von verschiedenen Theoretikern mit unterschiedlichen Methoden untersucht und interpretiert wurden. Ziel des Seminars ist eine gute Kenntnis der verschiedenen Untersuchungsmodelle sowie die Fähigkeit, ihre Anwendbarkeit kritisch einschätzen zu können.

 

PrS Lektürekurs - Europäische Klassiker (BA Modul Internationalität)

C. Berg

4-std., Blockseminar, Mi, 14 – 18 Uhr, SB II 03-436/03-134

Beginn: 17. Oktober, Ende: 19. Dezember 2018 

Zum Studium der Komparatistik gehört eine möglichst breite Kenntnis der europäischen Weltliteratur, insbesondere ihrer kanonischen Texte. Ziel des Lektürekurses ist es, solche Klassiker der europäischen Weltliteratur intensiv zu lesen und sie insbesondere im Hinblick auf ihre intertextuellen Bezüge und Wirkungen zu diskutieren. Im Mittelpunkt stehen einige ausgewählte Werke sämtlicher Gattungen und Epochen, die der Mainzer Leseliste für Komparatisten und Komparatistinnen entnommen wurden (vgl. Dieter Lamping; Frank Zipfel: Was sollen Komparatisten lesen?).

Da das Seminar als eine vierstündige Blockveranstaltung stattfindet, sollten die umfangreicheren Texte (insbesondere Dantes Inferno, Defoes Robinson Crusoe, Flauberts Madame Bovary und Woolfs Mrs Dalloway) vor Beginn des Semesters gelesen sein. Am 17.10. findet eine kurze Vorbesprechung und die Vergabe der Stundenmoderationen statt, die erste reguläre Sitzung ist am 31.10. Über die finale Auswahl der kürzeren Erzähltexte (Sitzungen zu Ovid, Tschechow und Kafka) informiere ich Sie so bald als möglich per Mail.

17.10.        Vorbesprechung/Vergabe der Stundenmoderationen
31.10.        Ovid: Metamorphosen (Auswahl)
07.11.        Dante: Divina Commedia (Inferno)
14.11.        Racine: Phèdre | Kanon-Begriff
21.11.        Defoe: Robinson Crusoe
28.11.        Flaubert: Madame Bovary
05.12.        Ibsen: Et Dukkehjem | Tschechow Erzählungen
12.12.        Woolf: Mrs Dalloway
19.12.        Kafka: Erzählungen

F. Zipfel

2-std., Di, 16 – 18 Uhr, P6

Beginn: 16. Oktober

Zum Studium der Komparatistik gehört eine möglichst breite Kenntnis der europäischen Weltliteratur, insbesondere ihrer kanonischen Texte. Ziel des Lektürekurses ist es, solche Klassiker der europäischen Weltliteratur intensiv zu lesen und sie insbesondere im Hinblick auf ihre intertextuellen Bezüge und Wirkungen zu diskutieren. Im Mittelpunkt stehen einige ausgewählte Werke sämtlicher Gattungen und Epochen, die der Mainzer Leseliste für Komparatisten und Komparatistinnen entnommen wurden (vgl. Dieter Lamping; Frank Zipfel: Was sollen Komparatisten lesen?).

Folgende Texte werden in chronologischer Reihenfolge behandelt: 
Ovid: Metamorphosen;
Shakespeare: Hamlet;
Tirso de Molina: El burlador di Sevilla (Don Juan);
J. Swift : Gulliver’s Travels;
D. Diderot: Jacques le fataliste et son maître (Jakob und sein Herr);
C. Goldoni: Il servitore di due padroni (Der Diener zweier Herren);
H. Ibsen: Die Wildente;
F. Dostojewski: Die Brüder Karamaosow;
V. Woolf: Orlando;
F. G. Lorca: Bodas de sangre (Bluthochzeit)
S. Beckett: En attendant Godot (Warten auf Godot)

Da während des Semesters die Zeit für die Lektüre längerer Texte knapp werden kann, sollten diese (zum Teil) bereits in den Semesterferien gelesen werden, vor allem Ovid, nach Möglichkeit auch Swift, Diderot, Dostojewski (am besten in der Übersetzung v. Swetlana Geier) und Woolf.

 

SEMINARE

S Der Autor als Kulturvermittler: Das Beispiel Deutschland/Frankreich (BA Modul Internationalität

W. Eckel

2-std., Mi, 10 – 12 Uhr, P 15

Beginn: 17. Oktober 2018

Sie sind in Deutschland oder Frankreich aufgewachsen und sozialisiert, und sie haben die Grenze zwischen den Sprach- und Kulturräumen zu längeren oder kürzeren Aufenthalten mehrfach überschritten, wörtlich und metaphorisch. Bei jedem Grenzübertritt haben sie etwas von dem, was sie in einem der Räume aufgenommen haben, unbewusst oder bewusst, oft sogar gezielt, in den anderen hinübergetragen. Als Grenzgänger sind sie zugleich zu Kulturvermittlern geworden. Das Seminar möchte einige literarische Autoren vorstellen, die mit Hilfe ihres Werks kulturelle Brückenschläge zwischen Frankreich und Deutschland unternommen haben. Inwiefern haben sie dazu beigetragen, Diskussionen, Themen, Zustände, Befindlichkeiten aus dem einen Land im jeweils anderen zu kommunizieren? Auf welche Weise haben sie in ihrem Werk Anregungen von jenseits des Rheins aufgegriffen und produktiv werden lassen? In welchem Maß haben sie selbst auf die Nachbarkultur verändernd gewirkt? Zur Diskussion stehen Schriftsteller wie Guillaume Apollinaire, Louis Aragon, Hans Arp, Walter Benjamin, Ludwig Börne, Carl Einstein, André Gide, Georges-Arthur Goldschmidt, Heinrich Heine, Franz Hessel, Victor Hugo, Ernst Jünger, Heinrich Mann, Gérard de Nerval, Rainer Maria Rilke, Romain Rolland, René Schickele, August Wilhelm Schlegel, Germaine de Staël, Michel Tournier, Voltaire, Richard Wagner u.a.

Literatur zur Einführung: Günter Berger und Franziska Sick (Hg.), Französisch-deutscher Kulturtransfer im Ancien Régime, Tübingen 2002; Hans Manfred Bock, Kulturelle Wegbereiter politischer Konfliktlösungen: Mittler zwischen Deutschland und Frankreich in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, Tübingen 2005; Michel Espagne (Hg.), Frankreichfreunde: Mittler des französisch-deutschen Kulturtransfers (1750-1850), Leipzig 1996; Manfred Flügge, „Paris ist schwer“. Deutsche Lebensläufe in Frankreich, Berlin 1992; Étienne François und Dieter Tiemann, Marianne – Germania: Deutsch-französischer Kulturtransfer im europäischen Kontext 1789-1914, Leipzig 2000; Hans-Jürgen Lüsebrink und Rolf Reichardt (Hg.), Kulturtransfer im Epochenumbruch Frankreich – Deutschland 1770-1815, 2 Bde., Leipzig 1997.

 

S Würze der Kürze? (BA Modul Internationalität)

J. Heß

2-std., Do, 16 – 18 Uhr, SB II 04-432

Beginn: 18. Oktober 2018

Der Kurzgeschichte als Untergattung der erzählenden Literatur wird mit Blick auf ihre knappe Form und damit einhergehenden Reduktionen eine besondere Suggestivität und Komplexität zugesprochen. Diese besonderen formalen Merkmale können verschiedenste Effekte haben. Es stellt sich die Frage, ob und inwiefern sich die spezifische Gestaltung von Kurzgeschichten auch auf ihr Erkenntnispotential auswirkt, ob also die Form der Kurzgeschichte besondere Möglichkeiten der Welterfahrung und des Weltbezugs auch für die Leser eröffnet. Ausgehend von einer kurzen gattungstheoretischen und poetologischen Betrachtung der Kurzgeschichte sollen zunächst Theorien der Erkenntnisvermittlung durch Literatur allgemein erörtert werden, bevor diese an Kurzgeschichten aus verschiedenen Sprachräumen erprobt werden. Behandelt werden sollen u.a. Texte von A. Munroe, H. Böll, E. Hemingway, I. Calvino und V. Nabokov.

Lektüre-Empfehlung zum Einstieg: Seiler, Sascha: Kurzgeschichte. In: Lamping, Dieter (Hg.): Handbuch der literarischen Gattungen. Stuttgart 2009. S. 452-460.

 

 

S Seminar zu historischen und theoretischen Aspekten der Literaturvermittlung (BA Modul Literaturvermittlung)

S. Seiler

2-std., Mi, 14 – 16 Uhr, P 201

Beginn: 17. Oktober 2018

Das Seminar führt in die Theorie, Geschichte und Gegenwart der Literaturkritik ein und bereitet auf das praktische Seminar im Sommersemester vor. Dabei sollen einerseits zentrale Begriffe wie 'Kritik' oder 'Rezension' geklärt sowie auf die spezielle Rolle des literaturkritischen Essays eingegangen werden. Andererseits soll eine breite Auswahl an literaturkritischen Texten gelesen und analysiert werden, vom 18. Jahrhundert bis hin zu Sonderfällen wie etwa User-Rezensionen aus dem Internet. 

 

S Kritik von wem -  für wen -  wie TEIL II Content Marketing (BA Modul Literaturvermittlung)

H. Hoven

4-std., Blockseminar, Fr, 10-14 Uhr, P 107

Termine: 26. 10.; 09.11.; 23.11.; 07.12.; 21.12.2018

Die im DAX gelisteten Konzerne haben es vorgemacht: Content Marketing. Text- und Bildmaterial, Imagefilme und Interviews sind im Internet abrufbar und frei verfügbar. Mit dem Verweis auf dieses Material werden Interviewanfragen immer häufiger abgelehnt. Content Marketing ist zum entscheidenden Faktor in der Außenwirkung geworden und nur darum geht es. Die Bundesregierung verfährt ähnlich und verweist immer häufiger auf ihren youtube Kanal.

Content Marketing ist längst im Kulturbetrieb angekommen. Vor allem freie Kulturjournalisten, die ums wirtschaftliche Überleben kämpfen, bedienen sich. Für einen Bericht, ein Porträt, eine Reportage muss sich der Journalist nicht mehr von seinem Schreibtisch fort bewegen. Das angebotene Material ist so perfekt, dass selbst exklusive Interviews mit Schriftstellern allein aus Retortenmaterial besteht.

 

S Der Nobel-Preis für Literatur (MA Modul Intertextualität)

D. Lamping

2-std., Mi, 14 – 16 Uhr, P 109a

Beginn: 17. Oktober 2018

Der Nobelpreis für Literatur gilt als die höchste literarische Auszeichnung. Wer ihn erhält, scheint in den Kanon aufgenommen zu sein, genießt auf jeden Fall internationale, ja weltweite Beachtung. Im Seminar soll die Geschichte des Preises rekonstruiert werden; dabei sollen auch die Vergabekriterien und einige Auszeichnungen, auch umstrittene, exemplarisch analysiert werden. Im Mittelpunkt wird die Frage stehen, welche Bedeutung der Nobelpreis für die Zuordnung zur Weltliteratur hat und inwieweit seine Internationalität Interkulturalität einschließt

 

S Episodisches Erzählen (MA Modul Intertextualität)

F. Zipfel

2-std., Di, 12 – 14 Uhr, SB II 02-146

Beginn: 16. Oktober 2018

Klassischerweise wird in Romanen eine Geschichte dargestellt, deren Handlungselemente und Figuren zu einer mehr oder weniger gradlinigen Entwicklung (nach dem Modell Anfang-Mitte-Ende) verwoben sind. Allenfalls entspinnen sich Nebenhandlungen, die jedoch die Haupthandlung in der Regel unterstützen. Eine Abweichung von dieser klassischen Form der Verknüpfung von Handlungselementen ist das episodische Erzählen. Hier werden einzelne in sich abgeschlossen Episoden erzählt, die sich erst nach und nach zu einer zusammenhängenden Geschichte zusammenfügen oder die durch nicht handlungsbezogene Aspekte (Themen, Orte usw.) miteinander verbunden werden. Diese Romanform ist zwar nicht neu, erfreut sich jedoch international in der zeitgenössischen Literatur (u. a. unter Bezeichnungen wie „Roman in Kurzgeschichten“ oder „composite novel“) besonderer Beliebtheit. Allerdings gibt es in der Literaturwissenschaft dafür bisher keine etablierte Gattungsbezeichnung oder -beschreibung. Im Seminar sollen anhand eines Vergleichs von entsprechenden Texten die besonderen Merkmale episodischen Erzählens (insbesondere Formen der Episodenverknüpfung) erarbeitet und diskutiert werden. Die Vergleiche werden zudem auf entsprechende, vielfach genutzte Erzählweisen im Film ausgeweitet.

Mögliche Texte: J. Dos Passos: Manhattan Transfer; W. Faulkner: Go down, Moses; T. Wilder: The Bridge of San Luis Rey; E. Strout: Olive Kitteridge; D. Mitchell: Cloud Atlas; A. Munro: Lives of Girls and Women; Y. Ogawa: Das Ende des bengalischen Tigers; D. Kehlmann: Ruhm; A. Smith: there but for the; Y. Reza: Heureux, les heureux; R. Schimmelpfennig: An einem klaren, eiskalten Januarmorgen zu Beginn des 21. Jahrhunderts;

Die Auswahl der Texte (und Filme) erfolgt in der ersten Sitzung. Vorschläge sind willkommen.

 

S Liedlyrik (MA Modul Interkulturalität)

D. Lamping

2-std., Do, 10 – 12 Uhr, P 203

Beginn: 18. Oktober 2018

Gegenstand des Seminars sind die verschiedenen, auch verschieden, etwa als Song oder Chanson bezeichneten Typen liedhafter Lyrik von François Villon und John Dowland über Goethe und Brecht bis zu Bob Dylan und Joni Mitchell. Im Mittelpunkt soll dabei die Frage nach den spezifischen Themen und Formen und der historischen Entwicklung dieser Lyrik stehen.

 

S Gespenster in Literatur und Film (MA Modul Intermedialität)

S. Seiler

2-std., Di, 14 – 16 Uhr, BKM 00 030 SR 04

Beginn: 16. Oktober 2018

Die Figur des Gespensts ist in der Kulturgeschichte omnipräsent. Dies liegt nicht zuletzt an ihrer ambivalenten Beschaffenheit: Einerseits dient das Gespenst als Element des Schreckens, des Horrors, der Evokation des Unheimlichen. Andererseits dient es aber nach der Aufklärung auch als Metapher für das Unbewusste, das Verdrängte, aber auch für das Vergessene, Verschwundene. Durch sein Verharren in einem Zwischenraum zwischen Anwesenheit und Abwesenheit – als Wesen einer Zwischenwelt – bewegt sich das Gespenst als Erscheinung stets zwischen konkreter Manifestation und Metapher. Der Geist von Hamlets Vater kann in Shakespeares Tragödie sowohl als tatsächliche Erscheinung gelesen, welche den Fortgang der Geschichte aufgrund seiner Mordanklage die entscheidende Wendung gibt, als auch als metaphorisches Element gedeutet werden. In der romantischen Schauerliteratur des 19. Jahrhunderts sind Gespenster dann zwar allgegenwärtig, doch bekommen sie als Folge der Aufklärung ebenfalls einen verstärkt metaphorischen Charakter zugesprochen, namentlich als Manifestation des Unterbewusstseins.

Andererseits aber verkörpern sie auch weiterhin ein voraufklärerisches, animistisches Weltbild, das in ständigem Konflikt mit dem dominanten Rationalismus des 19. Jahrhunderts steht. Aus diesem Konflikt resultiert die atmosphärische Wirkung auf den Leser, den das Rekurrieren auf die Möglichkeit mittlerweile als archaisch angesehener Weltbilder mit Schauder oder gar Angst erfüllt. So kann man feststellen, dass im Zuge der Säkularisierung die animistische Angst vor realen Gespenstern zur Angst-Lust der ästhetischen Repräsentation wird. Und diese lässt sich bis in die Gegenwart hinein beobachten, in der das Gespenst immer noch eine dauerhafte Präsenz geniest. Sowohl diesem alten, archaischen Weltbild als auch seiner Manifestation und Transformation in der Gegenwart soll im Seminar nachgegangen werden. Im Mittelpunkt stehen dabei literarische wie filmische Beispiele und auch die Frage, wie sich die Thematisierung des Gespensts in diesen beiden Medien unterscheidet.

Shakespeares Hamlet sollte unbedingt zu Beginn des Seminars gelesen sein, da das Stück unmittelbar diskutiert werden soll.