Hauptseminare

Hinweis: Die Zugehörigkeit der Lehrveranstaltungen zu den einzelnen Modulen des B.A.-Studiengangs Komparatistik/Europäische Literatur, des M.A.-Studiengangs Komparatistik und des M.A.-Studiengangs Weltliteratur ist durch Kurztitel der Module nach den Lehrveranstaltungstitel angegeben.

 

HS Theorie und Praxis des literarischen Übersetzens (BA Modul Vergleichende Europäische Literaturgeschichte)

M. Slavtscheva

2-std., Mo, 12-14 Uhr, SB II 03-134

Beginn: 16. Oktober 2017

Die literarische Übersetzung gehört zu jenen Gegenständen der Komparatistik, die sich durch einen besonders spannenden Praxisbezug auszeichnen. Das Seminar widmet sich sowohl bedeutenden Theorien über die Beziehung zwischen Original und fremdsprachigem Pendant, Ausgangssprache und Zielsprache, Autor und Übersetzer als auch exemplarisch ausgewählten Fällen aus der Literaturgeschichte wie zum Beispiel Vladimir Nabokovs kontrovers diskutierter Übertragung von Alexander Puschkins „Eugen Onegin“ ins Englische. Im praktischen Teil der Veranstaltung werden angesehene nationale und internationale Übersetzerpreise sowie das (spezifische) Profil und Handwerk eines literarischen Übersetzers im 21. Jahrhundert behandelt. Anders als im Rahmen des im Sommersemester 2017 angebotenen gleichnamigen Seminars liegt der Akzent der vorgesehenen vergleichenden Analysen nicht auf Lyrikübersetzungen, sondern auf Prosaübersetzungen und Übersetzungen von Bühnenstücken.

Zur Vorbereitung empfohlen: Apel, Friedmar / Kopetzki, Annette: Literarische Übersetzung. 2., vollst. neu bearb. Aufl. Stuttgart, Weimar 2003.

 

HS Familienroman (BA Modul Vergleichende Europäische Literaturgeschichte)

R. Roßbach

2-std., Do, 10 – 12 Uhr, BKM 00 014 SR 01

Beginn: 19. Oktober 2017

In seiner Rede zum 50. Todestag Thomas Manns im Jahr 2005 nennt Marcel Reich-Ranicki es ein „unerwartetes Phänomen“: „Der noch unlängst von manchen Kritikern verspottete Familien- und Generationenroman ist wieder modern. Er ist äußerst beliebt – überall und bei allen, bei den Schriftstellern, den Lesern und auch bei den noch unlängst so skeptischen Kritikern.“ Doch obwohl dieser Erfolg weiter anhält und der Begriff „Familienroman“ in der Literaturwissenschaft genauso häufige Verwendung findet wie in der Kritik, ist er in Lexika und Handbüchern immer noch selten vertreten. Das mag zum einen damit zusammenhängen, dass mit ‚Familiengeschichten‘ typischerweise assoziierte Handlungselemente – etwa Erbschaftsstreits, Eheschließungen oder Familiengeheimnisse – eher in trivialen Texten vermutet werden. Zum anderen spielt die Familie ohnehin in den meisten literarischen Texten eine zentrale Rolle. Sie bildet geradezu einen Archetypus des Erzählens: Schon im antiken Drama und in der Bibel sind Konflikt- und Figurenkonstellationen meist an das Vorstellungsmuster ‚Familie‘ geknüpft. 

Dennoch spricht vieles dafür, den Familienroman als eigenständiges Forschungsgebiet zu etablieren, wie auch an der steigenden Zahl wissenschaftlicher Publikationen seit dem Jahr 2000 abzulesen ist. So lassen sich für Romane, in denen zahlreiche durch Verwandtschaft miteinander verbundene Figuren auftreten, nicht nur charakteristische Motive, sondern auch etwa typische narrative Modelle feststellen; beispielsweise die Gliederung in verschiedene Generationen, weshalb alternativ auch die Bezeichnung „Generationenroman“ gewählt wird, oder besondere Formen der Binnenerzählung wie Chroniken, Briefe oder Lebensbeichten. Zudem kann man literarhistorisch zwei deutliche Blütezeiten des Familienromans feststellen: im Realismus des 19. Jahrhunderts sowie – nach seinem weitgehenden Verschwinden in der Moderne – wieder gegen Ende des 20. Jahrhunderts, wenn die von Reich-Ranicki beobachtete Renaissance einsetzt. Über mögliche Gründe für diese Entwicklung wollen wir uns im Seminar Gedanken machen. Weiterhin sollen Kontinuitäten und Brüche in der Tradition der ‚Gattung‘ analysiert werden. Psychoanalytische, diskursanalytische und narratologische Zugänge sollen dabei helfen, ein differenziertes Bild vom Bedeutungsspektrum des Familienromans zu erarbeiten, der mal als Psychogramm von Familien, mal als Mikrokosmos der Gesellschaft und mal als besondere Verbindung zwischen Zeit und Raum (Chronotopos) betrachtet werden kann. Da in den meisten Familienromanen über lange Zeiträume berichtet wird, enthalten sie eine Fülle historischen Wissens und verschiedener Geschichten. Bei der Beschäftigung mit ihnen können auch das Verhältnis zwischen Geschichte und Fiktion und das Erzählen selbst zum Thema werden.

Voraussetzung für eine Teilnahme am Seminar ist die Bereitschaft zur Lektüre mehrerer umfangreicher Romane, u.a. Tolstojs Anna Karenina, Manns Buddenbrooks, Franzens The Corrections und Arno Geigers Es geht uns gut, die möglichst schon in der vorlesungsfreien Zeit gelesen werden sollten. Das gesamte Programm wird frühzeitig per Mail mitgeteilt. Heinz Hillmann/Peter Hühn: Einführung. Forschungslage. Nachdenken über Familiengeschichten. In: Dies. (Hgg.): Lebendiger Umgang mit den Toten. Der moderne Familienroman in Europa und Übersee. Hamburg 2012, S. 7-38.

 

HS Der Europadiskurs im 20. Jahrhundert (BA Modul Vergleichende Europäische Literaturgeschichte)

D. Lamping

2-std., Do, 14 – 16 Uhr, SB II 02-146

Beginn: 19. Oktober 2017

Neben dem politischen und dem philosophischen gibt es seit dem 18. Jahrhundert auch einen literarischen Europa-Diskurs. Im Mittelpunkt steht dabei die Frage, was Europa oder das Europäische ausmache und was es vom Nicht- oder Außer-Europäischen unterscheide. An diesem Diskurs, der oft in Krisenzeiten geführt wurde, haben sich im 20. Jahrhundert, neben vielen anderen, etwa Hugo von Hofmannsthal, Paul Valéry, Heinrich und Thomas Mann,  Andrzej Szczypiorsky und Hans Magnus Enzensberger beteiligt. Im Seminar sollen wichtige Positionen dieses Diskurses erörtert werden.

 

HS Camus-Rezeption komparatistisch (MA Modul Intertextualität Weltliteratur)

C. Mannweiler

2-std., Fr, 12 – 14 Uhr, BKM 00 014 SR 01

Beginn: 20. Oktober 2017

Albert Camus gehört zweifelsohne zu den prominentesten französischen Autoren des 20. Jahrhunderts, dessen Werk weit über den akademischen Kontext hinaus und international rezipiert wurde. Wie unterschiedlich diese Rezeption je nach historisch-politischem Kontext ausfallen konnte, möchte das Seminar anhand ausgewählter Beispiele literarischer Rezeption nachzeichnen. Schwerpunkte werden dabei auf der produktiven Rezeption Camus in Algerien (u.a. Kateb Yacine, Kamel Daoud), Deutschland (u.a. Uwe Timm) und Polen liegen (Jaroslawlaw Iwaszkiewicz, Tadeusz Rozewicz).

Zur Vorbereitung wäre die Lektüre möglichst vieler Werke Camus hilfreich, insbesondere L’étranger (Der Fremde), La chute (Der Fall), La peste (Die Pest), Le mythe de Sisyphe (Der Mythos von Sisyphos), L’Homme révolté (Der Mensch in der Revolte), Les justes (Die Gerechten), L’exil et le royaume (Das Exil und das Reich), Lettres à un ami allemand (Briefe an einen deutschen Freund).

 

HS Literarische Figuren (MA Modul Interkulturalität)

N. Blum-Barth

2-std., Di, 12 – 14 Uhr, SB II 04-432

Beginn: 17. Oktober 2017

Die Konzeption der literarischen Figuren unter der Heranziehung normativer Konzepte, psychologischer Interpretation von Figuren und ihrer formalen Analyse steht im Mittelpunkt des Seminars. Anhand der Werke der Weltliteratur werden sowohl einzelne Figuren und Personen (Adam und Eva, Odysseus, Medea, Hamlet, Faust, Don Quijote, Anna Karenina u.a.) als auch literarisch tradierte Typen (Helden, Außenseiter, Dandy, Femme fatale, Kunstfigur, Figuren des Bösen u.a.) im Hinblick auf ihre Konzeption und Funktion im Text untersucht. Ein weiterer Fokus des Seminars liegt auf der Rezeption der Figuren: Verständnis, Emotionalität, Identifikationsangebot oder Abschreckung.

Vorbereitende Lektüre: Jannidis, Fotis: Figur und Person. Beitrag zu einer historischen Narratologie. Berlin 2004. Koch, Thomas: Literarische Menschendarstellung. Studien zu ihrer Theorie und Praxis. Tübingen 1991. Pfister, Manfred: Personal und Figur. In: Ders.: Das Drama. 6. Auflage. München 1988, S. 220–264.

 

HS Lexikon Literaturwissenschaft (MA Modul Theorie der Literatur)

F. Zipfel

2-std., Di, 16 – 18 Uhr, P 6

Beginn: 17. Oktober 2017

Trotz der großen Anzahl literaturwissenschaftlicher Publikationen ist es für Studierende nicht immer einfach, sich verlässliche Definitionen und Informationen über die Grundbegriffe der Literaturwissenschaft zu beschaffen. Zwar bietet das Internet diverse, schnelle und bequeme Recherchemöglichkeiten (Google, Wikipedia etc.), jedoch sind die Informationen oft ungeordnet und unzuverlässig, und die Beurteilung des Zuverlässigkeitsgrades setzt eigentlich schon das Wissen voraus, nach dem man sucht. Auf der anderen Seite sind die Darstellungen in manchen von wissenschaftlichen Fachspezialisten verfassten Hand- und Wörterbücher für die erste Orientierung von Studierenden oft zu komplex oder zu voraussetzungsreich. Im Rahmen mehrerer Lehrveranstaltungen soll deshalb am Institut für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft in Zusammenarbeit mit dem Kröner Verlag und in Kooperation zwischen Studierenden und Wissenschaftlern ein Lexikon zu den Grundbegriffen der Literaturwissenschaft entstehen. Ziel ist sozusagen ein Lexikon von Studierenden für Studierende, d.h. ein Lexikon, das verlässliche und auf Relevanz geprüfte Informationen in einer für Studierende gut rezipierbaren Form bietet.

Das auf mehrere Semester angelegte Projekt beginnt mit dieser Lehrveranstaltung, in der zuerst ein Konzept für ein von Studierenden für Studierenden verfasstes, benutzerfreundliches Lexikon entwickelt werden soll. In einem zweiten Schritt sollen in diesem und in den Folgesemestern die einzelnen Einträge und Artikel des Lexikons entstehen. Studierenden bietet das Seminar zum einen die Gelegenheit, ihre literaturtheoretischen und wissenschaftlichen Kompetenzen einzusetzen und zu erweitern, und zum anderen die Möglichkeit, verlegerische Tätigkeiten, wie Konzeption von Publikation unter Berücksichtigung von Marktverhältnissen und Zielgruppen, Lektorat oder Vermarktung kennenzulernen. Das Seminar kann im Rahmen des Moduls Theorie der Literatur oder des Vertiefungsmoduls besucht werden. Studierende können ihre Beteiligung auf ein Semester beschränken oder mehrere Semester am Projekt beteiligt sein.

 

HS Konzepte der Interkulturalität (MA Modul Theorie der Literatur)

N. Blum-Barth

2-std., Do, 12 – 14 Uhr, SB II 03-153

Beginn: 19. Oktober 2017

Die sich infolge der Globalisierung wandelnden kulturellen Kontexte lassen den Kulturbegriff neu definieren. In der Forschung manifestiert sich diese Entwicklung in der raschen Abfolge bzw. parallelen Existenz verschiedener Konzepte: ‚Post Colonial Studies‘, Interkulturalität, Transkulturalität, Exophonie u.a. Das Seminar setzt sich zum Ziel, diese theoretischen Zugänge kennen zu lernen und anhand literarischer Texte zu diskutieren. Im Vordergrund stehen Fragen nach Identität, Alterität, Diversität, Exotismus sowie Hybridität und Mehrsprachigkeit.

Vorbereitende Lektüre: Bhabha, Homi K.: Die Verortung der Kultur. Tübingen 2000. Chiellino, Carmine: Eine Literatur des Konsens und der Autonomie. Für eine Topographie der Stimmen. In: Ders. (Hg.): Interkulturelle Literatur in Deutschland. Ein Handbuch. Stuttgart u.a. 2007, S. 51-63. Ha, Kien Nghi: Hype um Hybridität. Kultureller Differenzkonsum und
postmoderne Verwertungstechniken im Spätkapitalismus. Bielefeld: Transcript 2005. Said, Edward: Orientalismus. Frankfurt a.M. 1981. Tawada, Yoko: Exophonie. Iwanami Shoten. Tokyo 2003. Welsch, Wolfgang: Transkulturalität – die veränderte Verfassung heutiger Kulturen. Ein Diskurs mit Johann Gottfried Herder. In: Europäisches Kultur- und Informationszentrum in Thüringen (Hrsg.) VIA REGIA – Blätter für internationale kulturelle Kommunikation, H. 20/1994. http://via-regia-kulturstrasse.org/bibliothek/pdf/heft20/welsch_transkulti.pdf