Hauptseminare

Hinweis: Die Zugehörigkeit der Lehrveranstaltungen zu den einzelnen Modulen des B.A.-Studiengangs Komparatistik/Europäische Literatur, des M.A.-Studiengangs Komparatistik und des M.A.-Studiengangs Weltliteratur ist durch Kurztitel der Module nach den Lehrveranstaltungstitel angegeben. 

 

HS Theorie und Praxis des literarischen Übersetzens (BA Modul Vergleichende Europäische Literaturgeschichte

M. Slavtscheva

2-std., Mi, 16 – 18 Uhr, P 6

Beginn: 17. Oktober 2018 

Die literarische Übersetzung gehört zu jenen Gegenständen der Komparatistik, die sich durch einen besonders spannenden Praxisbezug auszeichnen. Das Seminar widmet sich sowohl bedeutenden Theorien über die Beziehung zwischen Original und fremdsprachigem Pendant, Ausgangssprache und Zielsprache, Autor und Übersetzer als auch exemplarisch ausgewählten Fällen aus der Literaturgeschichte, die Gegenstand kontroverser Diskussionen geworden sind. Neben interessanten Übersetzern ins Deutsche werden auch solche aus dem Deutschen in andere Sprachen sowie das (spezifische) Profil und Handwerk eines literarischen Übersetzers im 21. Jahrhundert besprochen.

Zur Vorbereitung empfohlen: Eco, Umberto: Quasi dasselbe mit anderen Worten. Übersetzt von Burkhart

 

HS Europäische Romantik (BA Modul Vergleichende Europäische Literaturgeschichte

M. Kopf

2-std., Dr, 10 – 12 Uhr, BKM 00 016 SR 02

Beginn: 19. Oktober 2018 

Die Romantik gilt als europäische Geistesbewegung. Allerdings ist es sinnvoll, von Romantik im Plural zu sprechen, denn die Romantik prägte sich in vielen europäischen Ländern aufgrund verschiedener soziologischer, politischer und literarischer Voraussetzungen unterschiedlich aus. Nur durch einen vergleichenden Blick lassen sich Vielfalt und komplexe Interdependenzen der verschiedenen europäischen Nationalromantiken rekonstruieren. In den Literaturen Europas kommt es während der Romantik zu großen Umbrüchen, anti-klassizistische und national-bewußte Tendenzen gehen vor allem von England, Deutschland und Frankreich aus. Das Seminar möchte den Schwerpunkt auf diese drei Länder setzen und zum einen die historische Perspektive der drei Länder in den Blick nehmen und zum anderen literarische Wechselbeziehungen untersuchen. Außerdem soll das Fortwirken romantischer Bewegungen über die Romantik hinaus diskutiert werden. Gelesen werden u.a. Lord Byron, Mary Shelley, Madame de Staël, Victor Hugo, Joseph von Eichendorff, E.T.A. Hoffmann

 

HS Künstliche Paradise (BA Modul Vergleichende Europäische Literaturgeschichte)

W. Eckel

2-std., Di, 12 – 14 Uhr, SB II 03-436

Beginn: 16. Oktober 2018

Text folgt

HS Literatur und Wissen MA Modul Theorie der Literatur

F. Zipfel

2-std., Do, 16 – 18 Uhr, P 12

Beginn: 18. Oktober 2018

Können wir aus literarischen Texten etwas lernen? Die Frage, ob und inwiefern literarische Texte Quelle von Erkenntnis bzw. Wissen sein können, wird in der abendländischen Literaturtheorie schon seit der Antike kontrovers diskutiert und hat in den letzten Jahrzehnten, auch wegen des Einflusses der Neurowissenschaften, neue Aktualität erlangt. Manche Kunsttheorien sehen die Funktion der Literatur ausschließlich im Auslösen von Emotionen oder in der Unterhaltung. Andere gehen davon aus, dass es (auch) eine Aufgabe der Kunst ist, Wissen zu vermitteln. Da stellt sich dann die Frage, welche Art von Wissen dabei gemeint ist: Konkretes Wissen, z. B. über historische Tatsachen oder wissenschaftliche Erkenntnisse? – Aber wie geht das mit der viel beschworenen Fiktionalität literarischer Texte zusammen? Und gäbe es nicht bessere Quellen, um solches Wissen zu erlangen (Historiografie, wissenschaftliche Publikationen)? – Praktisches Wissen, z. B. über Verhaltensweisen des Menschen? – Aber sind dafür nicht inzwischen die Psychologie und die Sozialwissenschaften zuständig? Oder gibt es eine besondere Art von Erkenntnis, die ausschließlich durch Kunstwerke vermittelt werden kann? Welche Art von Erkenntnis könnte das sein und wie könnte man ihre Vermittlung durch literarische Texte beschreiben? Solche und ähnliche Fragen werden im Seminar anhand von aktuellen theoretischen Texten sowie anhand von ausgewählten literarischen Erzähltexten diskutiert

Zur Vorbereitung sind folgende Sammelbände hilfreich: Alex Burri/Wolfgang Huemer (Hg): Kunst denken. Paderborn 2007; Tilmann Köppe (Hg): Literatur und Wissen. Theoretisch-methodische Zugänge. Berlin 2010.

 

HS Theoriegeschichte des literarischen Vergleichs (MA Modul Theorie der Literatur)

W. Eckel

2-std., Di, 16 - 18 Uhr, SB II 03-436

Beginn: 16. Oktober 2018

Es liegt auf der Hand, dass für eine Disziplin wie die Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft (Komparatistik) eine Reflexion auf die Bedeutung des Vergleichens von grundlegender Bedeutung ist. Was leistet der literarische Vergleich? Wo liegen seine Grenzen? Worin bestehen seine Voraussetzungen? Welches sind seine Effekte? Auf welcher Ebene (einzelner literarischer Elemente, ganzer Werke oder gar verschiedener Literaturen?) ist er anzusetzen? Bedarf der Vergleich der Korrektur durch nicht-vergleichende Verfahren? Wenn ja, durch welche? Inwiefern kann die Komparatistik durch den Rekurs auf die Methode des Vergleichens definiert werden?

Möglichkeiten und Grenzen des Vergleichs in literarischen und literaturwissenschaftlichen Zusammenhängen sind umstritten. Stehen auf der einen Seite diejenigen, für die der Vergleich eine elementare Operation eines jeden wissenschaftlichen Erkennens ist, gleich ob es sich um Gegenstände der Natur oder der Kultur handelt, behaupten andere, dass zumindest dort, wo es um die Erkenntnis künstlerischer oder literarischer Werke als individueller Hervorbringungen geht, der Vergleich als wissenschaftliches Verfahren an seine Grenzen gelangt. Vor allem Vertreter der sogenannten Autonomieästhetik haben den Vergleich in ästhetischen Kontexten in seine Schranken gewiesen, da letztlich ganz Unvergleichbares oder Inkommensurables im Fokus stehe. Knüpfte sich im 19. Jahrhundert an das Vergleichen die Hoffnung, in Bezug auf Lebewesen, Sprachen, Religionen, Rechtssysteme oder Literaturen zu Erkenntnissen allgemeinerer Gültigkeit zu kommen, argumentierte der Begründer der geisteswissenschaftlichen Hermeneutik wie Dilthey, dass das Individuelle nicht durch äußerliches Vergleichen, sondern nur durch ein verstehenden Sich-Hineinversetzen zu erkennen sei. Heute mag man dagegen eher das kritische Potential des Vergleichens betonen, das darin liegt, dass durch den Vergleich der Bann durch das vermeintlich Einzigartige gebrochen werden kann. Das Seminar möchte einige wichtige Stationen der theoretischen Diskussion nachzeichnen und Bausteine zu einer umfassenderen Theorie des literarischen Vergleichs zusammentragen. Auch implizite Konzeptualisierungen des Vergleichs in Gestalt literaturwissenschaftlicher Praktiken sollen Berücksichtigung finden.

Literatur zur Einführung: Bischoff, Volker, „Grenzen und Möglichkeiten des Vergleichs“, in: Sprachkunst 5 (1974), S. 159-169; Eggers, Michael, „,Vergleichung ist ein gefährlicher Feind des Genusses.‘ Zur Epistemologie des Vergleichs in der deutschen Ästhetik um 1800“, in: Kulturen des Wissens im 18. Jahrhundert, hg. v. Ulrich Johannes Schneider, Berlin u. New York 2008, S. 627-635; Eggers, Michael (Hg.), Von Ähnlichkeiten und Unterschieden. Vergleich, Analogie und Klassifikation in Wissenschaft und Literatur, Heidelberg 2011; Eggers, Michael, Vergleichendes Erkennen: Zur Wissenschaftsgeschichte und Epistemologie des Vergleichs und zur Genealogie der Komparatistik, Heidelberg 2016; Görner, Rüdiger, „Der Vergleich als geistige Form. Versuch einer Methodenreflexion“, in: Comparatio 1 (2009); Kappler, Arno, Der literarische Vergleich. Beiträge zu einer Vorgeschichte der Komparatistik, Bern 1976; Lamping, Dieter, „Vergleichende Textanalyse“, in: Thomas Anz (Hg.), Handbuch Literaturwissenschaft. Bd. 2: Methoden und Theorien, Stuttgart 2007, S. 216-224; Mauz, Andreas und von Sass, Hartmut (Hg.), Hermeneutik des Vergleichs. Strukturen, Anwendungen und Grenzen komparativer Verfahren, Würzburg 2011; Rothacker, Erich, „Die vergleichende Methode in den Geisteswissenschaften“, in: Zeitschrift für vergleichende Rechtswissenschaft 60 (1957), S. 13-33; Zelle, Carsten, „Komparatistik und comparatio – der Vergleich in der Vergleichenden Literaturwissenschaft“, in: Komparatistik. Jahrbuch der DGAVL 2004/05, S. 13-34