Master Weltliteratur

Bewerbungsschluss


• 15. Mai (für den Beginn im Wintersemester)

• 15. November (für den Beginn im Sommersemester)

 

 

Literatur der globalisierten Welt

Das Zeitalter der Globalisierung hat nicht nur in Wirtschaft und Politik, sondern auch auf dem Feld der Kultur zu einer immer stärkeren Vernetzung geführt. Die Internationalisierung der Literatur ist, was ihre Verbreitung insbesondere durch Übersetzung und die intertextuellen Beziehungen der Texte angeht, inzwischen offensichtlich. Der interdisziplinäre Mainzer Master-Studiengang Weltliteratur am Fachbereich 05 „Philosophie und Philologie“ trägt dieser Entwicklung Rechnung. An ihm sind neben der Allgemeinen und Vergleichenden Literaturwissenschaft (Komparatistik) die Fächer Anglistik, Slavistik, Orientkunde (mit türkischer Literaturwissenschaft), Indologie und Buchwissenschaft beteiligt; aus dem Nachbarfachbereich 07 „Geschichts- und Kulturwissenschaften“ kommen noch die Afrikastudien hinzu. Gegenstand des Studiengangs ist die Weltliteratur als der vielschichtig-dynamische Beziehungszusammenhang zwischen verschiedensprachigen Einzelliteraturen, insbesondere zwischen den Literaturen Mittel- und Westeuropas sowie Nord- und Südamerikas (die traditionell den Schwerpunkt der der Mainzer Komparatistik bilden), den verschiedenen anglophonen Literaturen weltweit, den slavischen Literaturen sowie diversen afrikanischen und asiatischen Literaturen. Darüber hinaus werden durch die buchwissenschaftliche Perspektive die materiellen und medialen Voraussetzungen (z.B. Buchdruck, e-book usw.) sowie die sozio-ökonomischen Rahmenbedingungen (z.B. international operierende Verlage mit ihren am Weltmarkt orientierten Produktionen und Distributionsnetzen) der internationalen Literaturbeziehungen beleuchtet.

Inhaltlich bezieht sich der Master-Studiengang Weltliteratur auf zentrale Fragestellungen der gegenwärtigen Literaturwissenschaft und setzt systematische Schwerpunkte in den Bereichen Intertextualität, Interkulturalität, Theorie der Weltliteratur und zweier Einzelphilologien (bzw. einer Einzelphilologie und Buchwissenschaft). In historischer Hinsicht fokussiert er vor allem auf die Literatur des 18.-21. Jahrhunderts, in der Internationalisierungseffekte in verstärktem Maß wahrnehmbar sind, greift aber zur Verdeutlichung von Traditionslinien auch gelegentlich historisch weiter aus.

 

Schwerpunkt Intertextualität

Die Auseinandersetzung mit ,Intertextualität‘ lenkt dabei die Aufmerksamkeit auf die vielfältigen Verknüpfungsformen zwischen literarischen Texten, die für ,Weltliteratur‘ im Sinne des Studiengangs konstitutiv sind und diese mehr sein lassen als nur die Summe aller Einzelliteraturen oder eine Auswahl der qualitativ herausragenden literarischen Werke. Intertextuelle Bezüge zu untersuchen, bedeutet nicht nur, die Sinnerweiterung eines Textes durch dessen Bezugnahmen auf andere Texte zu beleuchten. Die Reflexion von Autorschaft, Originalität und literarischer Anleihe lässt zudem einen Text in seiner jeweiligen Gegenwart vor dem Hintergrund einer historischen Tiefendimension hervortreten. Eine solche Perspektive ermöglicht nicht zuletzt eine kritische Reflexion zur Kanonbildung, und sie erfasst ebenso die Bedeutung literarischer Werke für ein globales kulturelles Gedächtnis.

 

Schwerpunkt Interkulturalität

Der ,interkulturelle‘ Aspekt von Literatur beleuchtet Fragen von kultureller Identität/Alterität, der Darstellung des Fremden, der Hybridisierung von Kulturen und der Migration als literarische wie auch kulturell-gesellschaftliche Phänomene. Dieser Aspekt ist in den letzten Jahrzehnten vor allem im Bereich der Postkolonialen Studien im Zusammenhang der Diskussionen um eine „Neue“ Weltliteratur (Sturm-Trigonakis u.a.) bedeutsam geworden, die von Autoren mit Wurzeln in den ehemaligen Kolonien europäischer Staaten stammt. Aber auch schon die ältere Literatur lässt sich immer wieder als Dokument interkultureller Begegnungen und transkultureller Verflechtungen lesen. Durch weltweite Migrationsströme und einen intensivierten Austausch zwischen den Kontinenten ist die Differenz zwischen dem kulturell Eigenen und Fremden seit längerem in Bewegung geraten. Ein Ort kritischer Reflexion auf diese Entwicklung ist die Literatur. Die interkulturelle Dimension von Literatur verdient daher gerade vor dem Hintergrund des Globalisierungsprozesses erhöhte Aufmerksamkeit.

 

 

Schwerpunkt Theorie der Weltliteratur

Eine kritische Beschäftigung mit wissenschaftlichen Ansätzen zu einer ,Theorie der Weltliteratur‘ unter Einbeziehung einschlägiger Autorenpoetiken ist für den Studiengang unabdingbar. Dabei impliziert eine angemessene Definition des Begriffs zugleich die Klärung des Verhältnisses von Weltliteratur und Nationalliteratur, von ,großen‘ und ,kleinen‘ Literaturen, die Auseinandersetzung mit Problemen der Kanon­bildung, die Beschäftigung mit dem Thema der Übersetzung, aber etwa auch die Frage, inwiefern dem Konzept und der Sache der Weltliteratur für die Entstehung eines globalen oder Weltbewusstseins eine performative Funktion zugesprochen werden kann. Grundlegende Fragen zum Literaturbegriff, wie sie in den Gegenstandsbereich der Allgemeinen Literaturwissenschaft fallen, müssen in diesem Zusam­menhang ebenfalls thematisiert werden.

 

Schwerpunkt Einzelliteraturen (Wahlpflichtbereich)

Die Beschäftigung mit Problemstellungen aus dem Bereich literarischer Intertextualität und Interkulturalität sowie mit den genannten theoretischen Fragen bildet den Rahmen, in dem Studienangebote aus dem Bereich der mit einzelnen Literaturen sich beschäftigenden ,Einzelphilologien‘ sinnvoll integriert werden können. Aus dem Spektrum der Literaturwissenschaften wählen die Studierenden zwei Einzelphilologien aus, in deren Gegenstandsbereich sie vertiefte Einblicke nehmen wollen (zur Wahl stehen: Afrikanische, Englische, Polnische, Russische, Südasiatische und Türkische Literaturwissenschaft). Hier geht es vor allem darum, exemplarische Kenntnisse von weltliterarisch bedeutsamen Werken, Autoren, Epochen einer Einzelliteratur sowie Einsichten in die besondere Entwicklungsdynamik dieser Einzelliteratur im Kontext der Weltliteratur, aber auch in ihre Verbindung mit dem jeweiligen nationalen und internationalen Buchmarkt zu gewinnen. ,Nationalliteratur‘ und ,Weltliteratur‘ sind dabei als je spezifische Konstruktionsweisen des literaturwissenschaftlichen Gegenstandes zu reflektieren. Nicht zuletzt sollen die besonderen disziplinären Perspektiven der jeweiligen Einzelphilologie auf Fragen der Weltliteratur vermittelt werden. Über die genannten Philologien hinaus sind punktuell auch Einblicke in andere Einzelphilologien möglich (s.u. Abschnitt „Studienaufbau“).

 

Schwerpunkt Buchwissenschaft (Wahlpflichtbereich)

Anstelle einer der Einzelphilologien kann auch ,Buchwissenschaft‘ gewählt werden. Strategien international operierender Verlage, Agenturen und Kulturvermittlungsinstitutionen interessieren hier ebenso wie Fragen der Materialität des Buches und der Stellung des Buchs im Medienverbund angesichts aktuell sich weltweit wandelnder Publikationsprozesse, die Formen der Buchdistribution auf dem Weltmarkt oder die Rolle nationaler Buchpolitiken im Rahmen der Globalisierung. Weltliteratur erweist sich auf diese Weise auch als ein Produkt politischer und ökonomischer Interessen, dessen Bedeutung für die Ausbildung nationaler und kultureller Identitäten einer globalen Zirkulation nicht entgegensteht.

 

Studienaufbau

Der Master-Studiengang Weltliteratur ist als viersemestriger konsekutiver Studiengang angelegt und umfasst 44 SWS. Er umfasst die Module 1. Intertextualität, 2. Interkulturalität, 3. Theorien und Poetiken der Weltliteratur, 4. Einzelphilologisches Modul 1 oder Buchwissenschaft, 5. Einzelphilologisches Modul 2 oder Buchwissenschaft, 6. Vertiefungsmodul, 7. Abschlussmodul.

Im Vertiefungsmodul können neben Vorlesungen und Seminaren der am Studiengang beteiligten Fächer auch Lehrveranstaltungen anderer Fächer besucht werden, sofern dort Plätze frei sind und die jeweiligen DozentInnen zustimmen, z.B. Veranstaltungen der Amerikanistik, der (Franko-/ Italo-/ Ibero-)Romanistik sowie Veranstaltungen zur arabischen, persischen und zu anderen Literaturen. Das Vertiefungsmodul ermöglicht individuelle Schwerpunktsetzungen und dient zudem einer flexibleren Gestaltung des Studienverlaufs.

 

Studienvoraussetzungen

Vorausgesetzter Studienabschluss: Voraussetzung für das Studium ist der Nachweis entweder des Abschlusses des Mainzer Bachelorstudiengangs Komparatistik/ Europäische Literatur im Kern- oder Beifach, des Bachelorabschlusses einer anderen Universität in Allgemeiner und Vergleichender Literaturwissenschaft (Komparatistik), eines Bachelorabschlusses mit einer Fremdsprachenphilologie als Kernfach (im Falle der Indologie und der Turkologie auch als Beifach), eines Bachelorabschlusses in zwei Einzelphilologien zu Literaturen unterschiedlicher Sprache oder eines Studienabschlusses an einer Hochschule in Deutschland oder im Ausland, der zu den genannten Abschlüssen keinen wesentlichen Unterschied aufweist.

Sprachvoraussetzungen: Neben Deutsch als Studiengangssprache wird die Lektürefähigkeit in Englisch sowie in mindestens einer weiteren modernen Fremdsprache aus dem Bereich der am Studiengang beteiligten Fächer vorausgesetzt (d.h. eine Sprache aus dem Kreis der afrikanischen, romanischen, slavischen oder skandinavischen Sprachen, Türkisch, Hindi/Urdu oder Singhalesisch; andere Literatursprachen können im Einzelfall zugelassen werden). Sofern nicht anderweitig nachgewiesen (z.B. durch den zuvor absolvierten Bachelorstudiengang), wird diese Lektürefähigkeit im ersten Fachsemester in zwei Übersetzungsklausuren überprüft. Kann der Nachweis der Lektürefähigkeit nicht geführt werden, ist er innerhalb von sechs Wochen nachzuholen, andernfalls ist eine Zulassung zu den Veranstaltungen des zweiten Fachsemesters nicht möglich.

Die russische und die polnische Literaturwissenschaft verlangen für den Besuch ihrer Module eine für die Arbeit mit Texten in der betreffenden Originalsprache ausreichende Sprachkompetenz. Für die anderen Einzelphilologien gelten keine besonderen Regelungen.

 

Studienbeginn

Winter- und Sommersemester

 

Studienabschluss

Nach erfolgreichem Studienabschluss erwerben die Studierenden den Grad eines Master of Arts (M.A.) im Fach „Weltliteratur“. Ein im Laufe des Studiums gebildeter Schwerpunkt im Bereich einer der beteiligten Einzelphilologien oder der Buchwissenschaft wird auf dem Zeugnis ausgewiesen, wenn über das einzelphilologische oder buchwissenschaftliche Modul hinaus im Rahmen des Vertiefungsmoduls mindestens 4 SWS aus dem Bereich eines dieser Fächer studiert wurden und zudem die M.A.-Arbeit im Bereich dieses Faches geschrieben wurde. Folgende Fachbezeichnungen sind möglich:

„Weltliteratur/ Schwerpunkt: Afrikanische Literaturwissenschaft“

„Weltliteratur/ Schwerpunkt: Englische Literaturwissenschaft“

„Weltliteratur/ Schwerpunkt: Südasiatische Literaturwissenschaft“

„Weltliteratur/ Schwerpunkt: Polnische Literaturwissenschaft“

„Weltliteratur/ Schwerpunkt: Russische Literaturwissenschaft“

„Weltliteratur/ Schwerpunkt: Türkische Literaturwissenschaft“

„Weltliteratur/ Schwerpunkt: Buchwissenschaft“

 

Internationale Ausrichtung und Integration von Auslandsaufenthalten

Auslandsaufenthalte – zum Zweck eines Auslandssemesters oder eines Auslandspraktikums – sind im Rahmen des Master-Studiengangs Weltliteratur unbedingt zu empfehlen. Das gilt insbesondere für diejenigen Studierenden, die im Rahmen ihres Bachelor-Studiengangs noch keinen Aufenthalt im Ausland absolviert haben. Auslandsaufenthalte können an verschiedenen Stellen des Studiengangs integriert werden. Für ein Auslandssemester innerhalb des im Wintersemester beginnenden Studiengangs empfiehlt sich das 3. Fachsemester. Wird das Studium zum Sommersemester begonnen, empfiehlt sich das 2. Fachsemester für ein Auslandssemester. Die Studierenden werden im Vorfeld des Auslandsaufenthaltes vom Auslandsbeauftragten im Hinblick auf die Anerkennung der an der Gastuniversität absolvierten Lehrveranstaltung und Prüfungsleistungen beraten.

Endet der vorhergehende Bachelor-Studiengang im Wintersemester, kann ein Auslandsaufenthalt (vorzugsweise für ein Auslandspraktikum) auch in die Zeit des anschließenden Sommersemesters gelegt werden. In diesem Fall schreiben sich die Studierenden zum Sommersemester in den Master-Studiengang ein und lassen sich zum Zweck des Auslandsaufenthalts für das 1. Fachsemester beurlauben.

Auslandspraktika lassen sich ansonsten zweckmäßiger Weise in die vorlesungsfreie Zeit legen.

 

Berufsfeldorientierung

Der Master-Studiengang Weltliteratur zielt im Unterschied zu den eher grundlegenden Bachelor-Studiengängen in verstärktem Maß auf die Ausbildung weiterer wissenschaftlicher Qualifikationen. Er befähigt insbesondere zur selbstständigen Durchdringung komplexer wissenschaftlicher Gegenstände, zur kritischen Bewertung vorliegender Forschungsbeiträge und nicht zuletzt zur Entwicklung eigener literaturwissenschaftlicher Fragestellungen.
Für die späteren beruflichen Möglichkeiten der Studierenden ist wichtig, dass der Studiengang neben den wissenschaftlichen Qualifikationen im engeren Sinn allerdings auch eine Reihe von Schlüsselqualifikationen vermittelt, die nicht allein für literaturwissenschaftliche, sondern auch für zahlreiche andere Tätigkeiten bedeutsam sind. Hierzu gehören u. a.

• interdisziplinäres Arbeiten
• das Vermögen der präzisen Analyse und Interpretation von künstlerischen und  wissenschaftlichen Texten in mindestens drei Sprachen
• die Kompetenz, komplexe Sachverhalte präzise und konzise darzustellen und zu präsentieren
• die Kunst, Verbindendes zu erkennen, wo andere nur Trennendes sehen
• die Sensibilität für das kulturell Fremde und Andere
• die Fähigkeit zum vernetzten Denken im globalen Maßstab
• interkulturelle Kompetenz.

Wie die anderen nicht lehramtsbezogenen Studiengänge in den Geistes- und Kulturwissenschaften bildet der Master-Studiengang Weltliteratur Studierende nicht auf ein bestimmtes Berufsziel hin aus. Der Studiengang vermittelt jedoch mit den dargestellten Schlüsselqualifikationen sowie den intertextuellen und interkulturellen Kompetenzen Kenntnisse und Fähigkeiten, die die Absolventinnen und Absolventen zu bevorzugten Kandidaten für vielfältige Positionen machen. Es eröffnen sich ihnen vielfältige Möglichkeiten, etwa

• in Verlagen (z.B. als Lektor)
• bei Zeitungen (z.B. im Feuilleton),
• beim Rundfunk oder beim Fernsehen (z.B. bei Kulturmagazinen),
• bei Online-Plattformen (z.B. als Redakteur),
• im Theater (z.B. in der Dramaturgie oder auch Regie)
• bei kulturellen Institutionen des In- und Auslands (z.B. in Presseabteilungen).
• im Bereich der Lehre oder der Forschung an der Universität
• in wissenschaftsfördernden Einrichtungen (staatliche und private Institute/ Stiftungen)
• in der Wissenschaftsverwaltung
• in der Politikberatung (Kultur- und Bildungspolitik, auf Landes-, Bundes- und europäischer Ebene)
• in Archiven
• bei Akademien
• in freiberuflichen Tätigkeiten (z.B. im Bereich der Publizistik, des Lektorats oder der literarischen Übersetzung)

Der Medienstandort Mainz sowie die an Verlagen, Theatern, Zeitungen, Sendeanstalten reiche Rhein-Main-Region bieten für den Übergang in die Berufswelt ideale Voraussetzungen. Ein studienbegleiten-des Praktikum wird allen Studierenden des Studiengangs empfohlen.