Transmediale Narratologie
Dozent:innen: Univ.-Prof. Dr. Irina RajewskyKurs-Nr.: 05.861.25_510
Kurstyp: Seminar
Inhalt
Als eines der zentralen kognitiven Instrumente menschlicher Weltaneignung und Sinnstiftung sind Erzählungen allgegenwärtiger Bestandteil unserer Kultur und unseres Lebens. Erzählt wird in und mit literarischen Texten, Theater und Performances, Filmen, TV-Serien, Comics, Graphic Novels oder Computerspielen; erzählt wird in der Geschichtsschreibung, in Zeitungs- und Fernsehreportagen, Dokumentarfilmen und Nachrichtensendungen, in der Werbung, im Alltag unter Freunden, in der Familie oder z.B. vor Gericht oder beim Arzt – und heute natürlich v.a. auch via social media und zudem längst auch als Methode, Therapie, Polit- und Unternehmensstrategie.Die disziplinen- und medienübergreifende Relevanz des Erzählens mag aus heutiger Sicht selbstverständlich erscheinen. Im Bereich der – traditionell literaturzentrierten – Erzähltheorie hat sich eine Öffnung in Richtung auf andere Künste/Medien wie auch auf andere Disziplinen und kulturelle Kontexte allerdings erst vergleichsweise spät durchzusetzen begonnen, nämlich erst im Übergang von der (inzwischen) sog. ‚klassischen‘ (1950er bis 1980er/90er Jahre) zur sog. ‚post-klassischen‘ Narratologie (ab den späten 1990er/frühen 2000er Jahren). Im Zuge dessen ist es zu einer Ausdifferenzierung des narratologischen Felds und zu einer erheblichen „expansion of research agendas“ (Pier 2010) gekommen, womit u.a. auch eine grundlegende Infragestellung des bis dahin so gut wie ausschließlichen Fokus der Erzähltheorie auf literarische Erzähltexte (i.e. fiction) einhergegangen ist, verbunden mit kritischen Revisionen des eng gefassten Erzählbegriffs der ‚klassischen‘ Narratologie.
Das Seminar greift diese Entwicklungen auf und führt anhand konkreter Beispiele in die Grundlagen einer künste- und medienübergreifend – und d.h. zugleich einer medienvergleichend – konzipierten Erzähltheorie ein, wie sie seit Mitte der 2000er Jahre unter dem Stichwort der ‚transmedialen Narratologie‘ diskutiert und vorangetrieben worden ist. Im Zuge dessen werden wir uns mit verschiedenen Auffassungen einer transmedialen Narratologie, aktuellen Ansätzen zum Erzählen in Drama/Theater und Film, aber z.B. auch mit Fragen nach dem narrativen Potential von Malerei, Skulptur und Fotografie auseinandersetzen. Auf der Folie gängiger Tendenzen innerhalb der transmedialen Narratologie rücken damit zugleich begriffs- und theoriegeschichtliche Entwicklungslinien und Verschiebungsprozesse von Platon bis zur ‚post-klassischen‘ Narratologie in den Fokus, die das erzähltheoretische Feld und dabei gerade auch lang tradierte, kaum je hinterfragte Grundannahmen der (‚klassischen‘) Narratologie in entscheidendem Maße geprägt haben und – auch nach wie vor – in vielerlei Hinsicht mit offenen Fragen der Forschung einhergehen.
Das Seminar ist insofern forschungsorientiert ausgerichtet; zugleich werden für die Teilnehmer:innen Grundlagen gelegt, um sich adäquat mit der aktuellen Forschungslage im Bereich der transmedialen Narratologie auseinandersetzen zu können. – Vorschläge bezüglich der zu behandelnden Medien von Seiten der Teilnehmer:innen sind sehr willkommen. Neben den o.g. Gegenständen können gen Ende des Semesters z.B. auch Comics bzw. Graphic Novels oder Computerspiele einbezogen werden; ebenso transmedia storytelling-Praktiken im Sinne Henry Jenkins’ oder auch aktuelle Entwicklungen im Kontext von social media (Instagram usw.). Aufgegriffen werden können zudem auch politisch und/oder unternehmensstrategisch ausgerichtete Erzählpraktiken, wie sie in den vergangenen Jahren unter dem Stichwort des ‚Storytelling‘ kontrovers diskutiert worden sind. – Die endgültige Anlage des Seminars wird in der ersten Sitzung mit den Teilnehmer:innen abgesprochen.
Empfohlene Sekundärliteratur:
Für einen ersten Einstieg ins Thema empfiehlt sich: Ryan, Marie-Laure, „Introduction“, in: dies. (Hg.), Narrative across Media. The Languages of Storytelling, Lincoln/London 2004, S. 1-40 (dies ist zugleich wohl die erste Publikation, in der im US-amerikanischen Kontext explizit von ‚transmedial narratology‘ gesprochen worden ist). Alternativ: Ryan, Marie-Laure, „On the Theoretical Foundation of Transmedial Narratology“, in: Narratology beyond Literary Criticism. Mediality, Disciplinarity, hg. v. Jan Christoph Meister, in Zusammenarbeit mit Tom Kindt und Wilhelm Schernus, Berlin/New York 2005, S. 1-23. – Der UTB-Band von Nicole Mahne, Transmediale Erzähltheorie. Eine Einführung (Göttingen 2007), auf den Sie bei einer Recherche stoßen mögen, kann ebenfalls für einen ersten Einstieg herangezogen werden, bleibt insg. allerdings sehr oberflächlich und ist insofern nur bedingt zu empfehlen.
Termine
| Datum (Wochentag) | Zeit | Ort |
|---|---|---|
| 22.10.2026 (Donnerstag) | 12:15 - 13:45 | 00 461 P11 1141 - Philosophisches Seminargebäude |
| 29.10.2026 (Donnerstag) | 12:15 - 13:45 | 00 461 P11 1141 - Philosophisches Seminargebäude |
| 05.11.2026 (Donnerstag) | 12:15 - 13:45 | 00 461 P11 1141 - Philosophisches Seminargebäude |
| 12.11.2026 (Donnerstag) | 12:15 - 13:45 | 00 461 P11 1141 - Philosophisches Seminargebäude |
| 19.11.2026 (Donnerstag) | 12:15 - 13:45 | 00 461 P11 1141 - Philosophisches Seminargebäude |
| 26.11.2026 (Donnerstag) | 12:15 - 13:45 | 00 461 P11 1141 - Philosophisches Seminargebäude |
| 03.12.2026 (Donnerstag) | 12:15 - 13:45 | 00 461 P11 1141 - Philosophisches Seminargebäude |
| 10.12.2026 (Donnerstag) | 12:15 - 13:45 | 00 461 P11 1141 - Philosophisches Seminargebäude |
| 17.12.2026 (Donnerstag) | 12:15 - 13:45 | 00 461 P11 1141 - Philosophisches Seminargebäude |
| 07.01.2027 (Donnerstag) | 12:15 - 13:45 | 00 461 P11 1141 - Philosophisches Seminargebäude |
| 14.01.2027 (Donnerstag) | 12:15 - 13:45 | 00 461 P11 1141 - Philosophisches Seminargebäude |
| 21.01.2027 (Donnerstag) | 12:15 - 13:45 | 00 461 P11 1141 - Philosophisches Seminargebäude |
| 28.01.2027 (Donnerstag) | 12:15 - 13:45 | 00 461 P11 1141 - Philosophisches Seminargebäude |
| 04.02.2027 (Donnerstag) | 12:15 - 13:45 | 00 461 P11 1141 - Philosophisches Seminargebäude |
| 11.02.2027 (Donnerstag) | 12:15 - 13:45 | 00 461 P11 1141 - Philosophisches Seminargebäude |