Europäischer Realismus
Dozent:innen: Univ.-Prof. Dr. Irina RajewskyKurs-Nr.: 05.861.25_525
Kurstyp: Hauptseminar
Inhalt
Mit dem Begriff des ‚Realismus‘ bzw. des ‚realistischen Romans‘ ist ein Phänomen angesprochen, das die Erzählliteratur des 19. Jahrhunderts maßgeblich geprägt und sich – sei es in Anlehnung, sei es in Abgrenzung – auch für dann folgende Entwicklungen innerhalb des literarischen Feldes als ein entscheidender und bis heute wirksamer Bezugspunkt erwiesen hat. Im Kern ist damit der Zeitraum von 1830 bis 1880 aufgerufen, wobei insgesamt betrachtet – und zumal im europäischen Vergleich – auch manche Texte des ersten oder letzten Drittels des Jahrhunderts relevant werden. In diesem Zeitraum sind in allen großen europäischen Literaturen kanonisch gewordene Texte ‚realistischen‘ Erzählens publiziert worden (seit den 1860er Jahren z.T. auch in Form ‚naturalistischer‘ Spielarten realistischen Schreibens), verbunden mit umfassenden Diskussionen über Fragen der (‚objektiven‘) Darstellung sozialer Gegebenheiten im 19. Jh. und ganz allgemein der literarischen Modellierung von Wirklichkeit.Im Seminar werden wir anhand ausgewählter Romane und poetologischer Texte der französischen, englischen, russischen und deutschen Literatur zentrale Merkmale wie auch spezifische Themen ‚realistischen‘ Erzählens herausarbeiten (gesellschaftliche Fragen und Veränderungsprozesse, Geschlechterrollen, politisch-ökonomische Zusammenhänge usw.), mit einem Seitenblick auch auf den italienischen ‚Verismus‘ (Capuana, Verga). Im Zuge dessen werden wir uns mit unterschiedlichen Ausprägungen ‚realistischen‘ Schreibens und verschiedenen Realismus-Konzeptionen auseinandersetzen und diese vergleichend aufeinander beziehen. Hier werden zum einen programmatische Schriften der Autor:innen selbst relevant, die in Beziehung zur literarischen Praxis zu setzen sind; zum anderen Gemeinsamkeiten und Differenzen von Realismus-Konzepten im Vergleich der verschiedenen Nationalliteraturen. – Rechnung zu tragen ist überdies den spezifischen Publikations- und Distributionskontexten der einschlägigen Texte, die (auf Seiten der Autor:innen auch aus finanziellen Gründen) in aller Regel zunächst als ‚Fortsetzungsromane‘, d.h. in mehreren Lieferungen nach und nach in Zeitschriften erschienen sind, bevor sie in Buchform publiziert wurden.
Das Seminar versteht sich als erster Teil einer literaturhistorisch (und zugleich erzähltheoretisch) ausgerichteten Reihe von drei aufeinander aufbauenden Master-Lehrveranstaltungen, die ich im WS 2026/27 (Teil 1), SoSe 2027 (Teil 2) und WS 2027/28 (Teil 3) anbieten werde. Die drei-teilige Reihe eröffnet insg. ein Panorama des Erzählens vom ‚realistischen Roman‘ des 19. Jahrhunderts über experimentelle und postmoderne Erzählpraktiken der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts bis hin zu neueren Entwicklungen des Erzählens ‚nach der Postmoderne‘ (womit dann auch aktuelle Entwicklungen im Kontext des (post)digitalen Zeitalters in den Fokus rücken).
Textgrundlage:
Behandelt werden die im Folgenden genannten Romane, ergänzt durch einen einschlägigen englischen Roman (hierzu Absprache zu Beginn des Semesters). Einbezogen werden zudem Auszüge aus Émile Zolas „Le Roman expérimental“ (1879), eine theoretische Schrift Zolas, die als Manifest des literarischen ‚Naturalismus‘ in die Literaturgeschichte eingegangen ist, wie auch weitere poetologische Schriften, u.a. auch des italienischen Verismus und des deutschen ‚poetischen Realismus‘ (diese Texte werden über Moodle bereitgestellt).
Honoré de Balzac, Le Père Goriot (1834/1835)
Gustave Flaubert, Madame Bovary (1856) [neuübersetzung von elisabeth edl, dtv]
Edmund und Jules de Goncourt , Germinie Lacerteux (1865)
Lew [leo] Tolstoi, Anna Karenina (1877/78) [neuübersetzung von rosemarie tietze, dtv]
Theodor Fontane, Effi Briest (1894/95)
Termine
| Datum (Wochentag) | Zeit | Ort |
|---|---|---|
| 20.10.2026 (Dienstag) | 16:15 - 17:45 | 00 461 P11 1141 - Philosophisches Seminargebäude |
| 27.10.2026 (Dienstag) | 16:15 - 17:45 | 00 461 P11 1141 - Philosophisches Seminargebäude |
| 03.11.2026 (Dienstag) | 16:15 - 17:45 | 00 461 P11 1141 - Philosophisches Seminargebäude |
| 10.11.2026 (Dienstag) | 16:15 - 17:45 | 00 461 P11 1141 - Philosophisches Seminargebäude |
| 17.11.2026 (Dienstag) | 16:15 - 17:45 | 00 461 P11 1141 - Philosophisches Seminargebäude |
| 24.11.2026 (Dienstag) | 16:15 - 17:45 | 00 461 P11 1141 - Philosophisches Seminargebäude |
| 01.12.2026 (Dienstag) | 16:15 - 17:45 | 00 461 P11 1141 - Philosophisches Seminargebäude |
| 08.12.2026 (Dienstag) | 16:15 - 17:45 | 00 461 P11 1141 - Philosophisches Seminargebäude |
| 15.12.2026 (Dienstag) | 16:15 - 17:45 | 00 461 P11 1141 - Philosophisches Seminargebäude |
| 22.12.2026 (Dienstag) | 16:15 - 17:45 | 00 461 P11 1141 - Philosophisches Seminargebäude |
| 12.01.2027 (Dienstag) | 16:15 - 17:45 | 00 461 P11 1141 - Philosophisches Seminargebäude |
| 19.01.2027 (Dienstag) | 16:15 - 17:45 | 00 461 P11 1141 - Philosophisches Seminargebäude |
| 26.01.2027 (Dienstag) | 16:15 - 17:45 | 00 461 P11 1141 - Philosophisches Seminargebäude |
| 02.02.2027 (Dienstag) | 16:15 - 17:45 | 00 461 P11 1141 - Philosophisches Seminargebäude |
| 09.02.2027 (Dienstag) | 16:15 - 17:45 | 00 461 P11 1141 - Philosophisches Seminargebäude |