Literarischer Exotismus
Dozent:innen: Univ.-Prof. Dr. Winfried EckelKurs-Nr.: 05.861.25_085
Kurstyp: Hauptseminar
Empfohlene Literatur
Victor Segalen, Die Ästhetik des Diversen. Versuch über den Exotismus, Frankfurt a.M. 1994 [entst. 1904-1918; 1978 postum veröff.]; Friedrich Brie, Exotismus der Sinne. Eine Studie zur Psychologie der Romantik, Heidelberg 1920; Wolfgang Reif, Zivilisationsflucht und literarische Wunschträume. Der exotistische Roman im ersten Viertel des 20. Jahrhunderts, Stuttgart 1975; Edward Said, Orientalism, London 1978; Thomas Koebner/ Gerhart Pickerodt (Hg.), Die andere Welt. Studien zum Exotismus, Frankfurt a.M. 1987; Hans Christoph Buch, Die Nähe und die Ferne. Bausteine zu einer Poetik des kolonialen Blicks, Frankfurt a.M. 1991; Volker Zenk, Innere Forschungsreisen. Literarischer Exotismus in Deutschland zu Beginn des 20. Jahrhunderts, Oldenburg 2003; Gabriele Dürbeck, Stereotype Paradiese. Ozeanismus in der deutschen Südseeliteratur 1815-1914, Tübingen 2007; Klaus von Beyme, Die Faszination des Exotischen. Exotismus, Rassismus und Sexismus in der Kunst, München 2008; Michael Mayer, „Tropen gibt es nicht“. Dekonstruktionen des Exotismus, Bielefeld 2010; Jennifer Anna Gosetti-Ferencei, Exotic Spaces in German Modernism, Oxford 2011; Nicola Gess (Hg.), Literarischer Primitivismus, Berlin 2013; Franziska Bergmann, Schreibweisen des Exotismus. Sinnesfülle und Fremdheit in der westeuropäischen Literatur vom 18. bis zum 20. Jahrhundert, Berlin 2023.Inhalt
Der europäische Kolonialismus wird seit seinen Anfängen begleitet durch exotisierende Beschreibungen der außereuropäischen Fremde, die Fakt und Fiktion auf eigentümliche Weise mischen. Zu einem eigentlichen Exotismus (Ableitung von griech. „exotikós“ ,ausländisch, fremd‘; „éxo“ ,außen, hinaus, außer‘), der in der Fremde zu finden glaubt, was in Europa fehlt, und die kulturelle Alterität als ästhetischen „Reiz“ (Segalen, Ü: Wittmann) entdeckt, verdichten sich diese Überhöhungen im 18. Jahrhundert. Vor dem Hintergrund der vor allem von Rousseau initiierten Kulturkritik können nun z.B. Vorstellungen eines ,einfacheren‘, ,sinnlicheren‘, ,ursprünglicheren‘ Lebens, wie sie etwa im Idealbild des ‚edlen Wilden‘ fassbar sind, als Antwort auf die durch den Zivilisationsprozess bedingten Entfremdungserfahrungen erscheinen. Andererseits geht die Faszination durch das Fremde oft auch mit Schreckbildern zusammen (z.B. dem herabwürdigenden Heterostereotyp des ,Kannibalen‘, des ausschweifenden ,Orientalen‘, des von seinen Sinnen getriebenen ,Primitiven‘), durch die sich das europäische Bewusstsein seiner eigenen Überlegenheit versichert. Insbesondere Kunst und Literatur des 19. und frühen 20. Jahrhunderts sind reich an exotistischen Darstellungen der Südsee, Afrikas, Asiens oder der Neuen Welt: Ozeanismus, Afrikanismus, Primitivismus, Orientalismus, Türkenmode, Chinoiserie, Japonismus oder der koloniale Amerikadiskurs sind einige der sich teilweise überschneidenden Spielarten des Exotismus.Vor dem Hintergrund der postkolonialistischen Theoriedebatten der letzten Jahrzehnte möchte das Seminar Beispiele des literarischen Exotismus vorstellen und kritisch analysieren. Mit welchen positiven oder negativen Topoi und Darstellungsmustern operieren exotistische Texte? Welche Rolle spielt neben dem Othering fremder Kulturen die kulturelle Aneignung aus diesen? In welchem Verhältnis stehen realgeschichtlicher Kolonialismus und Exotismus der Literatur? Wie reagieren Autor:innen aus exotisierten Kulturen auf die europäischen Zuschreibungen? Welche Bedeutung hat ihre gelegentlich zu beobachtende Selbstexotisierung? Erfolgen die literarischen Konstruktionen des Fremden gleichsam naiv, oder werden sie in ihrem Konstruiertsein reflektiert und damit dekonstruiert? Ist der Exotismus in einer zunehmend hybrider sich gestaltenden postkolonialen Weltkultur heute an sein Ende gelangt?
Zur Diskussion stehen Texte von Montesquieu, Gustave Flaubert, Charles Baudelaire, Pierre Loti, Victor Segalen, Léopold Sédar Senghor, Herman Melville, Rudyard Kipling, Joseph Conrad, Langston Hughes, Alejo Carpentier, Johann Wolfgang Goethe, Hermann Hesse, Elias Canetti u.a. Neben der Literatur sollen Seitenblicke auch auf andere Künste geworfen werden.
Termine
| Datum (Wochentag) | Zeit | Ort |
|---|---|---|
| 21.10.2026 (Mittwoch) | 10:15 - 11:45 | 00 115 (K4) Übungsraum 9139 - Am Kisselberg |
| 28.10.2026 (Mittwoch) | 10:15 - 11:45 | 00 115 (K4) Übungsraum 9139 - Am Kisselberg |
| 04.11.2026 (Mittwoch) | 10:15 - 11:45 | 00 115 (K4) Übungsraum 9139 - Am Kisselberg |
| 11.11.2026 (Mittwoch) | 10:15 - 11:45 | 00 115 (K4) Übungsraum 9139 - Am Kisselberg |
| 18.11.2026 (Mittwoch) | 10:15 - 11:45 | 00 115 (K4) Übungsraum 9139 - Am Kisselberg |
| 25.11.2026 (Mittwoch) | 10:15 - 11:45 | 00 115 (K4) Übungsraum 9139 - Am Kisselberg |
| 02.12.2026 (Mittwoch) | 10:15 - 11:45 | 00 115 (K4) Übungsraum 9139 - Am Kisselberg |
| 09.12.2026 (Mittwoch) | 10:15 - 11:45 | 00 115 (K4) Übungsraum 9139 - Am Kisselberg |
| 16.12.2026 (Mittwoch) | 10:15 - 11:45 | 00 115 (K4) Übungsraum 9139 - Am Kisselberg |
| 06.01.2027 (Mittwoch) | 10:15 - 11:45 | 00 115 (K4) Übungsraum 9139 - Am Kisselberg |
| 13.01.2027 (Mittwoch) | 10:15 - 11:45 | 00 115 (K4) Übungsraum 9139 - Am Kisselberg |
| 20.01.2027 (Mittwoch) | 10:15 - 11:45 | 00 115 (K4) Übungsraum 9139 - Am Kisselberg |
| 27.01.2027 (Mittwoch) | 10:15 - 11:45 | 00 115 (K4) Übungsraum 9139 - Am Kisselberg |
| 03.02.2027 (Mittwoch) | 10:15 - 11:45 | 00 115 (K4) Übungsraum 9139 - Am Kisselberg |
| 10.02.2027 (Mittwoch) | 10:15 - 11:45 | 00 115 (K4) Übungsraum 9139 - Am Kisselberg |