Betreute Dissertationen

Laufende Dissertationsprojekte | JGU

Franziska Rauh (AVL): „Rewriting als Verfahren im Umgang mit kanonischen Texten“ (Arbeitstitel) [Aufnahme des Projekts im April 2022]

Kurzdarstellung des Projekts:

Dr Jekylls Hausmädchen, Schneewittchens böse Stiefmutter, Ophelia, Magwitch oder Freitag – von den Nebenfiguren, wie von den Nebenschauplätzen und -handlungen bekannter und einflussreicher Texte scheint eine Faszination auszugehen, die Autor:innen dazu motiviert, existierende Geschichten aus der Perspektive anderer Figuren und/oder mit Fokus auf bisher wenig beachteten Handlungssträngen neu- oder umzuschreiben. Im literaturwissenschaftlichen Diskurs, insbesondere in postkolonialen und feministischen Literaturtheorien, begegnet für solche Texte immer häufiger der Begriff rewriting.

Als literaturwissenschaftlicher Terminus zeichnet sich rewriting allerdings durch eine gewisse Unschärfe aus: Er wird in unterschiedlichen Kontexten mit unterschiedlicher Bedeutung verwendet und steht in Beziehung zu einer Fülle verwandter bzw. alternativer Begriffe und Konzepte wie spinoff, retelling, Revision, Adaption, Appropriation oder parallel literature. Mein Dissertationsprojekt zielt darauf, rewriting als eine spezifische Form intertextueller Bezugnahme zu bestimmen, von anderen Verfahren und Formen der Intertextualität abzugrenzen und so zu einer Begriffsschärfung beizutragen.

Über terminologische Fragen hinaus gilt mein Forschungsinteresse möglichen Funktionen von rewriting mit Blick auf das ambivalente Verhältnis von rewriting und Kanon: Rewriting ist ein Verfahren, das meist auf in irgendeiner Weise kanonische Texte bezogen wird; es setzt Kanonizität voraus, zugleich wird ihm häufig eine kritisch-subversive Funktion der Kanonrevision oder -erweiterung zugeschrieben. Welche Funktionen erfüllen rewritings in Bezug auf unterschiedliche Ausprägungen der Idee eines Kanons? Woran lässt sich die Haltung eines rewriting gegenüber seinem kanonischen Prätext festmachen? Wie funktioniert rewriting als ein kanonbasiertes Mittel der Kanonkritik? Diesen Fragen widmet sich mein Projekt im Blick auf rewritings unterschiedlicher literaturgeschichtlicher Herkunft, insbesondere englisch- und französischsprachige Texte der 1980er bis 2020er Jahre.

 

Friedrich Schlegel Graduiertenschule für literaturwissenschaftliche Studien | FU Berlin [interdisziplinäre Tandem-Betreuung]

In Bearbeitung
Mette Biil Sørensen (Germanistik/NdL): „Materielle Übersetzung: Konzipierung eines Begriffs zur Übertra­gung zeitgenössischer Foto-Texte aus literaturwissenschaftlicher und verlagspolitischer Sicht“ [Auf­nahme des Projekts im Okt. 2018]

Abgeschlossene Dissertationen
Anna Beckmann (Germanistik/NdL): „Aus dem Rahmen gefallen – Comics zwischen narrativer Unzuverlässigkeit und Strategien der Veruneindeutigung“ [Abschluss des Verfahrens im Febr. 2022]

Alexandra Ksenofontova (AVL): The Modernist Screenplay. Experimental Writing for Silent Film, Cham: Palgrave Macmillan, 2020.

Roman Kuhn (AVL): Wahre Geschichten, frei erfunden: Verhandlungen und Markierungen von Fiktion im Peritext, Berlin/Boston: De Gruyter, 2018.

Lotte Laub (Arabistik): Gestalten durch Verbergen: Ghassan Salhabs melancholischer Blick auf Beirut in Film, Video und Dichtung, Wiesbaden: Reichert Verlag, 2017.

Oliver Hartmann (Japanologie): Intermedialität in der japanischen Gegenwartsliteratur. Am Beispiel von Shimada Masahiko, Yoshida Shūichi und Murakami Haruki, München: Iudicum Verlag, 2017.

Johannes Görbert (Germanistik/NdL): Die Vertextung der Welt. Forschungsreisen als Literatur bei Georg Forster, Alexander von Humboldt und Adelbert von Chamisso, Berlin/Boston: De Gruy­ter, 2014.