Hauptseminare

Hinweis: Die Zugehörigkeit der Lehrveranstaltungen zu den einzelnen Modulen des B.A.-Studiengangs Komparatistik/Europäische Literatur, des M.A.-Studiengangs Komparatistik und des M.A.-Studiengangs Weltliteratur ist durch Kurztitel der Module nach den Lehrveranstaltungstitel angegeben.

HS Programme und Praktiken der europäischen Avantgarden (BA Modul Vergleichende Europäische Literaturgeschichte)

W. Eckel

2-std., Do, 10 – 12 Uhr, SB II 02 146

Beginn: 17. Oktober 2019

Futurismus, Dada, Surrealismus, Situationismus, Fluxus, Pop Art, Subversive Aktion: Die europäischen Avantgarden des 20. Jahrhunderts sind für eine der einschneidendsten Revolutionen im Bereich von Kunst und Literatur verantwortlich. Der Versuch, die Grenze zwischen Kunst und Leben niederzureißen, Kunst in Lebenspraxis aufzuheben und das Leben durch künstlerische Mittel zu intensivieren kann als gemeinsamer Grundgestus dieser Bewegungen gelten. Praktiken wie das sogenannte ,ready made‘, bei dem ein Alltagsobjekt in die Sphäre der Kunst erhoben wird, oder umgekehrt die künstlerische ,Aktion‘ oder später das ,Happening‘, durch die die Kunst auf die Straße getragen wird, entsprechen dem in oft aggressiven Manifesten verkündeten Vorhaben.
Das Seminar möchte die wichtigsten Avantgardeströmungen mit ihren spezifischen Programmen und Praktiken vorstellen. In welcher Beziehung stehen die Bewegungen zum System der etablierten Kunst? In welchem Verhältnis (der Abgrenzung oder positiven Bezugnahme) stehen sie untereinander? Auf welche Weise versuchen sie jeweils, die Grenze von Kunst und Leben zu durchkreuzen und zu invisibilisieren? Welche Rolle spielt in den verschiedenen Bewegungen die Literatur? Auch Fragen der historischen Bewertung sollen eine Rolle spielen: Inwiefern waren die Avantgarden erfolgreich? Inwiefern sind sie gescheitert?
Folgende Sammelbände können eine erste Orientierung über die Intentionen der diversen Bewegungen geben: Wolfgang Asholt, Walter Fähnders (Hg.), Manifeste und Proklamationen der europäischen Avantgarde (1909-1938), Stuttgart, Weimar 1995; Nicolas Feuillie (Hg.), Fluxus dixit. Une anthologie, Bd. 1, Dijon 2002; Tom McDonough (Hg.), Guy Debord and the Situationist International. Texts and Dokuments, Cambridge (Mass.) 2002; Günter Metken (Hg.), Als die Surrealisten noch recht hatten. Texte und Dokumente, Stuttgart 1976; Karl Riha in Zusammenarbeit mit Hanne Bergius (Hg.), Dada Berlin. Texte, Manifeste, Aktionen, Stuttgart 1977; Karl Riha, Waltraud Wende-Hohenberger (Hg.), Dada Zürich. Texte, Manifeste, Dokumente, Stuttgart 1992; Karl Riha, Jörgen Schäfer in Verbindung mit Angela Merte (Hg.), DADA total. Manifeste, Aktionen, Texte, Bilder, Stuttgart 1994; Hansgeorg Schmidt-Bergmann (Hg.), Futurismus. Geschichte, Ästhetik, Dokumente, Reinbek 1993. Zur theoretischen Einführung: Peter Bürger, Theorie der Avantgarde, Frankfurt a.M. 1974.

 

HS Literarische Orte zwischen dem Lokalen und dem Globalen (BA Modul Vergleichende Europäische Literaturgeschichte)

S. Seiler

2-std., Di, 14 – 16, BKM 00 025 SR 03

Beginn: 15. Oktober 2019

Der Ort hat in der Literatur schon immer eine zentrale Rolle gespielt. Im Zuge der Globalisierung hat sich die Bedeutung des Ortes in der öffentlichen Wahrnehmung jedoch deutlich verändert. Einerseits führte die Digitalisierung zu einer Entmythisierung des topographisch determinierten Ortes und zum so genannten ‚Globalen Dorf‘, in welchem die Bewohner durch digitale Verbindunglinien (und nicht mehr durch Topographie) verbunden sind.  Als Folge verlor auch das Ländliche jenseits der ‚Global Cities‘ zunehmend an gesellschaftlicher Bedeutung, was zur Verödung großer Landstriche führte; ein Phänomen, das in Deutschland, Frankreich oder den USA stetig an Bedeutung gewinnt. Doch seit einigen Jahren findet in bestimmten gesellschaftlichen Gruppen eine Neuorientierung hin zum ruralen Leben statt, die sich nicht nur im Erfolg von das Landleben feiernden Publikumszeitschriften, dem Camping als Zeitgeistphänomen sondern auch in der ganz konkreten ideologischen Neubesetzung des ländlichen Raums zeigt. Nicht zuletzt aus diesem Grund ist der Konflikt zwischen den globalisierten Großstädten und dem Land zu dem vielleicht wichtigsten politischen Faktor der Gegenwart geworden, wie das Wahlergebnis 2016 in den USA, aber auch die jüngsten Europawahlen in Deutschland zeigen, die einen Widerstand im ländlichen Raum gegen die scheinbar unaufhaltsame Globalisierung abbilden. Im Seminar soll nun ganz konkret untersucht werden, welche Auswirkung diese gesellschaftlichen Prozesse auf die Literatur aus dem großstädtischen wie aus dem ländlichen Raum haben, mit einem starken Fokus auf die ‚Wiederkehr des Ländlichen‘ in der Gegenwartsliteratur.
Eine vorläufige Literaturliste wird Anfang der vorlesungsfreien Zeit via Jogustine verteilt werden, Vorschläge sind sehr willkommen!

 

HS Komik- und Komödientheorie (MA Modul Theorie der Literatur und Vertiefung)

F. Zipfel

2-std., Di, 12 – 14 Uhr, P 107

Beginn: 15. Oktober 2019  

Die Komödie ist eine der wichtigsten Gattungen der internationalen Dramenliteratur. Sie wird in der Regel als Drama mit komischen Elementen definiert. In Abhängigkeit von jeweiligen literaturhistorischen Zusammenhängen spielen jedoch weitere Merkmale eine wichtige Rolle. Noch schwieriger als eine Definition der Komödie als Gattung erscheint die Bestimmung des Komischen als ästhetisches Phänomen. Diese Schwierigkeiten entstehen aus zwei grundlegenden Problemen. Zum einen ist das Komische weder ein spezifisch literarisches – Komik gibt es auch in anderen Künsten und Medien – noch ein spezifisch ästhetisches, sondern zu allererst ein allgemein menschliches Phänomen. Zum anderen führt die Standardbestimmung des Komischen als Phänomen, das Lachen bewirkt, dazu, dass eine objektive Bestimmung kaum möglich scheint, weil die Reaktion des Lachens vom jeweiligen Beobachter abhängt – und zwar sowohl von seinem historischen oder kulturellen Hintergrund wie auch von seiner individuellen Perspektive . Im Seminar werden verschiedene Ansätze der theoretischen Beschreibung des Komischen als literarisches bzw. ästhetisches Phänomen sowie deren Bedeutung für eine Theorie der Komödie anhand von exemplarischen Beispielen aus der Komödienliteratur diskutiert.
Als einführende Lektüre geeignet: Japp, Uwe: „Komödie“, in: Lamping, Dieter u.a. (Hg): Handbuch der literarischen Gattungen, Stuttgart 2009, 413-431 – Kablitz, Andreas: „Komik, Komisch“, in: Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft. Neubearbeitung des Reallexikons der deutschen Literaturgeschichte, gemeinsam mit Georg Braungart, Klaus Grubmüller Jan-Dirk Müller, Friedrich Vollhardt und Klaus Weimar herausgegeben von Harald Fricke. Band II, Berlin, New York 2000, 289-294 – Kindt, Tom: Literatur und Komik. Zur Theorie literarischer Komik und zur deutschen Komödie im 18. Jahrhundert. Berlin 2011.